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Welcher Wein wird dekantiert – und wie dekantiert man richtig?

Welcher Wein wird dekantiert – und wie dekantiert man richtig?

Traditionell sind es die Rotweine, wie z. B. Bordeaux, die dekantiert – also in bauchige Karaffen umgefüllt – werden. Doch welche Rotweine müssen „atmen“ und welche können getrost direkt aus der Flasche genossen werden? Darf auch Weißwein dekantiert werden? Und welche Bedeutung steckt hinter dem „Karaffieren“?

Der Sinn des Dekantierens

Wein dekantieren

Wein dekantieren

Um zu wissen, welcher Wein dekantiert werden soll, muss erst einmal geklärt werden, welchen Sinn das Dekantieren macht.

● Vermeidung von Depot im Glas

Jene Weine, die zu Depotbildung neigen, sollten auf alle Fälle dekantiert werden. Unter Depot werden Ablagerungen verstanden, die sich im Laufe von Jahren oder gar Jahrzehnten bilden – sie sollen nicht ins Glas.

● Entfaltung der Aromen

Manche Weine werden als „verschlossen“ bezeichnet. Das bedeutet, dass der Wein Luft benötigt, damit sich die Aromen entfalten können. Dies ist vor allem bei schweren Rotweinen der Fall.

● Verflüchtigen von Kohlensäure

Einige sehr junge Weißweine haben einen hohen Gehalt an Kohlensäure. Meistens ist dieser auch gewünscht, der Winzer produziert den Wein so, dass der Kohlensäuregehalt hoch ist. Zu einigen Speisen passt dies allerdings nicht, weil die Kohlensäure Süße überdecken kann. In diesem Fall wird der Wein umgefüllt und etwas stehen gelassen, damit sich die Kohlensäure verflüchtigt.
Richtig dekantieren – Schritt für Schritt

Je nachdem, welche der obigen Aufgaben erfüllt werden soll, muss unterschiedlich dekantiert werden.
Das „Satz-Dekantieren“ hat zum Ziel, den oben erwähnten Weinstein von der Flüssigkeit zu trennen. Und so funktioniert es:
● Der Wein wird langsam in den schräg gehaltenen Dekanter gegossen.

● Setzen Sie eine starke Lichtquelle unter die Flasche, um zu erkennen, wo sich der Weinstein befindet.
● Gießen Sie nun den Wein vorsichtig in die Karaffe um, ohne den Weinstein mitzuschütten.

● Drehen Sie die Flasche zum Schluss leicht, damit das Depot an der Flaschenschulter hängenbleibt.
Für die besonders schonende Dekantierung von Rotwein mit Weinstein, kann eine Dekantiermaschine verwendet werden, die gleichmäßiges und ruhiges Eingießen ermöglicht. Die Rotweinflasche wird dafür waagrecht aus dem Lagerregal genommen und in die Maschine gelegt; mittels einer Handkurbel wird der Flaschenhals nun so weit nach unten geneigt, bis sich der Inhalt langsam in die Karaffe ergießt. Vor allem bei Portweinen mit sehr feinem Depot hat sich diese Methode bewährt.

Richtig karaffieren – Schritt für Schritt

kellnerin mit weinkaraffe

kellnerin mit weinkaraffe

 

Ist das Ziel des Umfüllens in die Karaffe nicht die Trennung des Weins vom Depot, sondern das „Atmen“, damit sich das Aroma des edlen Tropfens verbessert. Im Grunde wird hier dieselbe Methode verwendet, wie oben beschrieben – die Lichtquelle fällt allerdings weg, weil kein Weinstein „erspürt“ werden muss. In der Regel wird der Wein also nach dem Öffnen einfach langsam in eine Karaffe mit breitem Boden und Bauch geleert. Die Karaffe hat deshalb eine große Oberfläche, dass der Wein mit möglichst viel Sauerstoff in Kontakt kommt.
Im Gegensatz zum Dekantieren wegen des Weinsteins, muss Wein, der „atmen“ soll, etwa eine halbe bis eine Stunde vor dem Trinken in die Karaffe umgegossen werden. Wie lange der Wein tatsächlich dekantieren soll, kann nur individuell abgeschätzt werden – am besten alle zehn Minuten probieren, ob der passende Zeitpunkt gekommen ist. Jüngere, sehr herbe Weine können über eine Stunde benötigen, während sehr leichte Weine, wie z. B. der Pinot Noir, nur 20 Minuten „atmen“ benötigt.
Im Grunde profitieren alle Rotweine vom Dekantieren. Ausgenommen es sind sehr reife Weine, bei denen ein längerer Luftkontakt kontraproduktiv sein kann. Dann spricht man davon, dass der Wein „umkippt“ oder „wegstirbt“. Reifere, alte Rotweine über fünf oder sechs Jahre werden nur wegen des Weinsteins dekantiert (siehe oben).

Folgende Weine sollten Sie unbedingt karaffieren:
● Rotweine aus dem Barriqueausbau
● Hochwertige, junge Rotweine
● Hochwertige, junge Weißweine
● Kohlensäurehaltige Weißweine, denen die Kohlensäure aufgrund der zugehörigen Speise entzogen werden soll, damit die Süße nicht überdeckt wird.

Wein und Obst

Welche Weintemperatur für welchen Wein?

Welche Weintemperatur für welchen Wein?

Die Aroma, die Feinheit und die Eleganz eines Weines kommen erst dann voll zur Geltung, wenn der Wein richtig temperiert wurde. Dass der Weißwein in den Kühlschrank muss und der vollmundige Rotwein bei Zimmertemperatur getrunken werden sollte, ist inzwischen Allgemeingut. Wer den absoluten Genuss wünscht, muss hingegen noch genauer temperieren.

Die richtige Trinktemperatur – ein Überblick

Rotweinglas

Rotweinglas

Folgend ein Überblick zur passenden Trinktemperatur für jeden Wein – je nach Jahrgang, Rebsorte etc. können die idealen Temperaturen für den Wein auch noch individuell schwanken.

● 15 – 18 °C: Kräftige, gehaltvolle Rotweine
● 12 – 14/15 °C: Körperreiche, halbtrockene, junge und fruchtige Rotweine
● 11 – 13 °C: Reife und würzige Weißweine
● 9 – 11 °C : Frische und trockene Weißweine
● 8 – 10 °C: Junge und leichte Weißweine
● 6 – 9 °C: Sekt und Champagner

Weißwein vorkühlen und kühl halten

Weiß- und Roséweine lieben Temperaturen zwischen acht und zehn Grad Celsius, Sekt und Champagner dürfen kühl bei zwischen sechs und neun Grad getrunken werden – dann schmeckt der Wein oder Sekt am besten. Während reife, körperreiche Weine etwas wärmer serviert werden können, munden schlanke und junge Gewächse kühler etwas besser. Natürlich sollte der Wein seine Temperatur in etwa beibehalten und nicht zu schnell warm werden: Dafür gibt es Flaschenkühler oder Sektkühler mit Eiswasser, die auf den Tisch gestellt werden. Eine Serviette dazugeben, mit der die Flasche beim Herausnehmen abgetrocknet werden kann. Außerdem sollte das Glas stets am Stiel angefasst werden – ansonsten erwärmen sich Weine schnell durch die Körpertemperatur der Hand.

Zimmertemperatur für den Rotwein – stimmt’s?

Eine allseits bekannte Maxime besagt, dass rote Weine bei Zimmertemperatur getrunken werden müssen. Doch dies gilt heute nur mehr bedingt – diese Regel entstand, als die Zimmer noch deutlich weniger geheizt wurden als heute. Für einen Rotwein sind 14 bis 16 °C genug, 20 oder 21 °C (wie heute die Zimmertemperatur meist ist) müssen nicht sein. Grundsätzlich gilt die Regel: Junger, fruchtiger Wein, wie z. B. ein Lemberger oder ein Dolcetto, wird etwas kühler serviert (auch 12 -14 °C Weintemperatur sind ok). Bestimmte Weine mit ganz wenigen Tanninen bzw. Gerbstoffen können, z. B. im Sommer, sogar gekühlt getrunken werden. Vollmundige, körperreiche Rotweine, die im Keller gelagert wurden, etwas in der Küche stehen lassen – und schon haben Sie die passende Weintemperatur, die bestens mit dem Essen harmoniert.

Brauche ich einen Wein-Klimaschrank?

Sie wünschen sich einen Vorrat an perfekt temperierten Weinen, die einfach nur mehr aufgemacht und getrunken werden müssen? Dann ist der Weinklimaschrank

Weinthermometer

Weinthermometer

vielleicht eine Option. Die meisten neueren Modelle haben zwei oder auch mehrere regelbare Temperaturbereiche für weißen Wein, Rosé und roten Wein. Der Weintemperierschrank sollte so eingestellt werden, dass die Temperatur des einzelnen Bereichs etwa zwei Grad unter der Trinktemperatur liegt, die auf der Flasche angegeben wird. Wird der Wein herausgenommen und eingeschenkt, erwärmt er sich leicht um ein oder zwei Grad und erreicht dann die optimale Trinktemperatur. Weinklimaschränke, die „Liegeplätze“ für flüssige Schätze, gibt es ab etwa 300 Euro.
Was bringt das Weinthermometer?
Das runde Wein-Thermometer besteht meist aus Edelstahl und wird einfach über die Flasche gestülpt; auf der Vorderseite wird anschließend die aktuelle Weintemperatur angezeigt, ohne dass die Weine geöffnet werden müssten. Die auf dem Thermometer angegebenen Temperaturbereiche, z. B. trockener oder süßer Weißwein, Rosé, fruchtig-leichter oder vollmundig-schwerer Rotwein, lässt auf einen Blick erkennen, ob die richtige Temperatur erreicht wurde. Das Weinthermometer ist ein nettes Zusatzgeschenk, wenn Sie jemandem einen guten Wein mitbringen. Die Kosten für das Thermometer liegen zwischen ca. drei und fünfzehn Euro.

verschiedene Weingläser

Wie serviert man Wein richtig?

Wie serviert man Wein richtig?

Die köstliche Flasche Wein steht bereit, die Gäste sind gut gelaunt und die ersten Häppchen schon verzehrt. Es wäre Zeit für den Wein. Im Kopf des Gastgebers tauchen plötzlich Fragen auf: Wie öffne ich die Flasche mit Stil? Und wie viel Wein gehört eigentlich ins Glas? Stilvoll Wein servieren, will also gelernt sein. Wir zeigen, wie’s geht – und wie Sie auf Ihrem Fest Rotwein und Weißwein elegant und formvollendet dekantieren und servieren können.

Stilvoll Wein servieren

● Das Öffnen
Edler Korkenzieher auf Weinflasche

Edler Korkenzieher auf Weinflasche

Sie möchten die Weinflasche am liebsten heimlich in einer Ecke öffnen, damit niemand sieht, wie ungeschickt Sie sich anstellen? Verständlich – aber die Weinflasche sollte direkt am Tisch vor den Gästen geöffnet werden. Das Prinzip des „coram publico“ hat eine lange Tradition.

- Schneiden Sie die Stanniolkapsel mit dem Messer des Flaschenöffners deutlich unterhalb des Flaschenmundes ab, damit keine Schwermetalle in Gläser oder Flasche gelangen.

- Sollte sich unterhalb der Kapsel Schimmel gebildet haben, weil der Wein schon lange im feuchten Keller lag – kein Problem. Die Qualität des Weins wird nicht beeinflusst.

- Schrauben Sie den Metallöffner in den Verschluss und ziehen Sie diesen vorsichtig heraus. Sollte der Korken abbrechen, müssen Sie den teuren Bordeaux nicht wegstellen: Einfach noch einmal ansetzen. Gelangen Kork-Krümel in den Wein, fließen diese mit dem ersten Aufschenken in den Kelch. Dieses erste Weinglas einfach wegschütten und charmant über andere Themen plaudern.

- Riechen Sie an dem Korken
Gesunde Korken riechen neutral oder nach Wein. Nehmen Sie einen sehr intensiven, starken Korkgeruch wahr, ist er möglicherweise „krank“. Mit einer Serviette wird nun der Flaschenmund gesäubert, damit es keine Tropfen auf blütenweißen Tischdecken gibt. Bei sehr feinen Weinen wird der Korkverschluss auf einem kleinen Silbertablett abgelegt.

● Die Reihenfolge

Wer kostet den Wein als erstes? Die Dame an der Seite des Gastgebers? Grundsätzlich schenkt sich derjenige zuerst ein, der den Wein geöffnet hat – allerdings nur, um zu prüfen, ob der Wein in Ordnung geht. Als Gastgeber schenken Sie sich also einen kleinen Schluck ein und prüfen die Qualität. Ist diese gut, kommen nun die Gläser der Gäste dran. Das eigene Glas wird erst zum Schluss aufgefüllt.

● Die Menge

Weine in bis nach oben hin gefüllten Gläsern anzubieten, ist die sicherste Art, sich als „Wein-Laie“ zu outen. Ist der Kelch zu voll, verfliegt das Bouquet des edlen Tropfens, der Geschmack kann sich nicht „sammeln“, um sich anschließend zu entfalten. Außerdem wird das Trinken – sofern man, wie es vorgesehen ist, das Weinglas am Stil anfasst – zum Balanceakt. Werden die Gläser alternativ am Bauch gehalten, wärmt sich der Wein durch die Handwärme – alles Vorkühlen war dann umsonst. Weißweingläser sollten also maximal bis zur Hälfte hin gefüllt werden. Bauchige, große Gläsern, die z. B. zu einem schweren Rotwein gereicht werden, sollten nur bis zu einem Drittel aufgefüllt werden, während kleine Rotweingläser auch halbvoll sein dürfen.

● Das Halten
Kellner gießt einen roten Wein ein

Kellner gießt einen roten Wein ein

Die 0,75 Liter Flasche wird in der Mitte des Bauches umfasst und langsam über das Glas geneigt. Weil der Schwerpunkt in der Bauchmitte sitzt, kann so am ehesten die Menge, die aus der Flasche fließt, dosiert werden. Rotweine sollten, je nach Rebsorten, evtl. vorher dekantiert werden. Unter dekantieren versteht man, den Wein zuerst in eine bauchige Karaffe umzufüllen, damit sich die Aromen in Kontakt mit dem Sauerstoff besser entfalten können. Geht die Flasche langsam zur Neige, wird sie weiter unten angefasst. Eine Magnum-Flasche darf beim Einschenken hingegen auch mit beiden Händen gehalten werden. Absolutes No-Go: Weinflaschen am Hals anfassen.

● Das Einschenken

Der Wein wird langsam und vorsichtig eingeschenkt. Das Etikett sollte immer nach oben zeigen. Ist genug Wein im Glas, wird der Fluss langsam gestoppt und die Flasche leicht zur Seite geneigt, so dass die letzten Tropfen in den Kristallkelch perlen. Wer noch nicht den richtigen Schwung hat, kann eine Einschank-Hilfe, z. B. ein kleines Silberfolien-Plättchen, nutzen, das in den Flaschenhals gesteckt wird. So kann der Fluss des Weines besser reguliert werden und es gibt keine unschönen Tropfen auf dem Tischtuch.

Wein-im-Supermerkt

Kann man Wein auch im Supermarkt kaufen?

Kann man Wein auch im Supermarkt kaufen?

Ja, wir alle wissen es: Gemüse, das wir auf dem Markt oder beim Gemüsehändler um die Ecke kaufen, schmeckt besser. Fleisch, das von unserem Vertrauens-Metzger kommt, ebenfalls. Und auch Wein, ja für den Wein gibt es Fachhandelsgeschäfte und Winzer. Und doch: Manchmal reicht die Zeit einfach nicht, um vier, fünf unterschiedliche Geschäfte zu besuchen. Stattdessen wird im Supermarkt eingekauft, wo alle Produkte gleichzeitig verfügbar sind. Das bestätigen auch Umfragen: Rund die Hälfte der deutschen Weintrinker deckt sich bei Aldi & Co. ein. Die Gründe: Bequemlichkeit, Zeitmangel und günstige Preise. Im Schnitt gibt der Deutsche im Supermarkt 2,89 Euro für eine Flasche Wein aus. Und das, obwohl Zeitschriften wie „Essen & Trinken“ reißenden Absatz finden.

Qualitätswein aus dem Supermarkt?

Weinregal im Supermarkt

Weinregal im Supermarkt

Eines vorweg: Frevel ist Wein aus dem Supermarkt dann, wenn ihn Menschen kaufen, die inmitten eines Weinbaugebietes leben, deren Nachbarn und „Nachbarsnachbarn“ Winzer sind. Dann sollte man den Anstand besitzen, die fünf Minuten mit dem Rad oder Auto zu fahren und sich köstlichen Wein direkt an der Quelle zu besorgen. Fachlichen Rat vom Bauern und eine Verkostung gibt’s meistens inklusive.
Alle Städter dürfen ihren Wein natürlich im Supermarkt einkaufen. Selbst Sommeliers räumen ein, dass es wegen der flächendeckenden Qualitätskontrollen und der Bemühungen großer Weinkellereien, gleichbleibende Qualität zu liefern, durchaus auch gute Weine gibt, die um die fünf Euro kosten. Auch eine Max-Planck-Studie hat herausgefunden, dass der Preis des Weines nicht unbedingt mit der Qualität korreliert. Dass Supermärkte Weine zu so günstigen Preisen anbieten können, hängt auch damit zusammen, dass sie von riesigen „Weinfabriken“ beliefert werden, die Wein in Menge – und dadurch wesentlich billiger – produzieren.

Tipps für den Weineinkauf im Supermarkt

Tja, und wenn es einfach mal nicht anders geht – folgend einige Tipps, wie Sie auch im Supermarkt die Weinperlen finden:

● Lagerung:

Nehmen Sie nicht den Rotwein, der direkt unterhalb einer Beleuchtung steht und auch nicht jene Artikel mit der dicken Staubschicht. Bei unsachgemäßer Lagerung schmeckt der Wein bestimmt nicht mehr.

● Jahrgang:

Auf einen Weißwein oder einen Rosé, der über drei Jahre alt ist, können Sie getrost verzichten – schließlich soll der Wein frisch schmecken.
Rotweine können hingegen auch vier oder fünf Jahre alt sein und noch köstlich schmecken. Greifen Sie im Supermarkt allerdings lieber zu den jüngeren Weinen, weil eine fachgerechte Lagerung oft nicht garantiert ist und deshalb – im Gegensatz zum Fachhandel – auch ein teurerer älterer Wein kein Garant für Qualität ist.

● AP-Nummer:

Achten Sie auf die AP-Nummer und die letzten beiden Ziffern dieser Nummer. Sie verweisen auf das Abfülldatum. Weißweine, die drei Jahre alt sind, können Sie getrost stehen lassen.

● Schwarmintelligenz:

Sie stehen vor dem meterlangen Regal und können sich nicht entscheiden? Verlassen Sie sich auf die Schwarmintelligenz bzw. das Mehrheitsprinzip und wählen Sie jenen Wein, den offensichtlich auch viele andere kaufen. Vermeiden Sie Ladenhüter, also Weine, von denen es noch Unzählige im Regal gibt (außer natürlich sie wurden gerade frisch eingeräumt). Fragen Sie notfalls einen Verkäufer, welcher Wein sich am besten verkauft.

● Auszeichnungen:
Label für Wein

Label für Wein

Um eine Perle unter den Supermarkt-Weinen zu finden, können Käufer auch auf die Auszeichnungen achten, z. B. auf die „Goldene Weinflasche“. Eine Auszeichnung bedeutet, dass der Wein schon einigen Personen geschmeckt hat – Sommeliers, Juroren und anderen Winzern (vgl. „Schwarmintelligenz“).

● Preis:

Wenn schon Wein im Supermarkt, dann nicht unbedingt der Soave aus Südafrika für 1,89 Euro. Bei so einem Preis kann sich niemand beschweren, wenn der Wein nicht schmeckt. Kaufen Sie allerdings auch nicht unbedingt den teuersten Wein – wegen der oft unsachgemäßen Lagerung wird Qualität z. T. „vernichtet“. Weine, die zwischen 5 und 15 Euro kosten, sind eine gute Wahl.

● Reklamieren:

Der Wein ist nicht nur nicht Ihrem Geschmack entsprechend, sondern tatsächlich ungenießbar? Dann dürfen Sie die Flasche zurückbringen. Die Lieferanten der Supermärkte bemühen sich, gleichbleibende Qualität zu liefern – für sie kann die Beschwerde sogar aufschlussreich sein

Weinflaschen

Wie hoch soll der Alkoholgehalt eines Weines sein – und was sagt er aus?

Wie hoch soll der Alkoholgehalt eines Weines sein – und was sagt er aus?

 

Wein enthält meist zwischen 9 und 15 Prozent Alkohol und ist damit deutlich stärker als Bier, das durchschnittlich etwa 5 Prozent Alkohol beinhaltet. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Der italienische Moscato, auch Muskateller genannt, weist z. T. einen Alkoholgehalt von unter 8,5 % auf; der Alkoholgehalt des Sauternes aus Bordeaux hingegen pendelt sich des Öfteren bei über 15 % ein. Grundsätzlich gilt allerdings: Vergorener Most muss zwischen 8,5 und 15 % Alkohol aufweisen – erst dann gilt dieser als Wein.
Der Alkohol im Wein entsteht durch das Vergären von Zucker. Eigentlich. Es gibt allerdings auch hier Ausnahmen: Der Alkoholgehalt von deutschen „Qualitätsweinen bestimmter Anbaugebiete“ darf – bevor die Gärung einsetzt – durch Anreichern, also durch das Hinzufügen von Zucker, „künstlich“ erhöht werden (dies machen z. B. auch Winzer, die Sherry oder Portwein herstellen). Durch „natürliche“ Gärung kann der Wein höchstens 16,5 Volumenprozent erreichen.

Folgende Alkohol-Arten sind im Wein enthalten:

Label für Wein

Label für Wein

● Ethylalkohol bzw. Ethanol
gehört mit Wasser zu den Hauptbestandteilen des Weines. Ethanol ist auch der Hauptauslöser für den Kater am Morgen danach.

● Methylalkohol bzw. Methanol
entsteht durch den enzymatischen Pektinabbau. Der Methanolgehalt ist relativ niedrig, er liegt bei Rotweinen zwischen 60 und 230 mg pro Liter, bei Weißweinen bei 17 bis 100 mg pro Liter. Wie hoch der Methanolgehalt ist, hängt davon ab, wie lange der Kontakt der Maische mit dem Most ist. Methanol hat eine chronische Giftwirkung.

● Höhere Alkohole
sind nur in sehr geringen Mengen enthalten. Sie spielen wegen ihrer Geschmackseigenschaften eine wichtige Rolle für das Weinaroma und entstehen im Rahmen der alkoholischen Gärung als Nebenprodukte des Hefestoffwechsels. Für die Vollmundigkeit des Weines ist vor allem Glycerin wesentlich.

Von welchen Faktoren hängt der Alkoholgehalt im Wein ab?

Der Alkoholgehalt im Wein hängt also vor allem von folgenden Faktoren ab:
● Zuckergehalt der Trauben bei der Ernte (beeinflusst durch Sonne, Traubenart, Zeitpunkt der Ernte)
● Anreicherung des Weines mit Zucker vor der Gärung
● Gärungsstufe (Ist der gesamte Zucker zu Alkohol vergoren? ≥ trockener Wein ohne Restsüße)

Ist ein höherer Alkoholgehalt gleichbedeutend mit Qualitätswein?

Alkohol ist Geschmacksträger – deshalb schmeckt Wein mit einem höheren Alkoholgehalt, vor allem mit höherem Glyceringehalt, oft vollmundiger. Zudem kann Alkohol die Säure mildern. Laut dem Weinbauverband Deutschland trägt unter anderem die Klimaerwärmung dazu bei, dass der Alkoholgehalt im Wein in der Welt generell, vor allem aber auch bei Weinen aus kühleren Regionen wie Deutschland, steigt: Viel Sonne schafft Reife und Süße und treibt den Alkoholanteil nach oben. Gerade die deutschen Weine gelten als fruchtig und leicht – weil sie im Vergleich zu den italienischen und den spanischen Weinen weniger Sonneneinstrahlung abbekommen. Während der „Kabinettwein“ früher ein leichter Trinkwein mit etwa 11 % war, haben die meisten deutschen Kabinettweine heute einen Alkoholgehalt von 12 -12,5 %.

Früher galt Wein mit einem Alkoholgehalt von 12 Prozent schon als mittelschwer, dies gilt heute nicht mehr. Die aktuelle Einteilung unterscheidet:
● Leichte Weine: 11 – 12 vol. %
● Mittelschwere Weine: 13 – 13,5 vol. %
● Schwere Weine: über 13,5 vol. %

Übrigens: Süße Weine haben in der Regel einen geringeren Alkoholgehalt als trockene Weine. Dies deshalb, weil bei süßen Weinen nicht der ganze Zucker in Alkohol umgewandelt wurde und noch eine Rest-Süße erhalten bleibt. Bei trockenen Weinen ist der natürliche Zucker der Traube fast vollständig zu Alkohol vergoren.

Alkoholgehalt in Milliliter umrechnen

Weinetikett

Weinetikett

Wie bereits erwähnt, wird der Alkoholgehalt im Wein in Volumen % angegeben. Viele gesundheitliche bzw. diätistische Empfehlungen verwenden allerdings „Gramm Alkohol“ als Maßeinheit. Die Volumen % können ganz einfach in diese umgewandelt werden: Um den Alkoholgehalt zu berechnen, muss die Menge des Weins in Millilitern und der Alkoholgehalt in Volumenprozent bekannt sein. Außerdem wichtig ist das spezifische Gewicht von Alkohol – dieses beträgt: 0,8 g/cm3.
Die Formel lautet: Menge in ml x (Vol.-% / 100) x 0,8 = Gramm reiner Alkohol
Beispiel:
Ein Glas Wein mit 100 Millilitern und 11 %
100 ml x (11/100) x 0,8 = 8,8 g reiner Alkohol
Derzeit liegen die Empfehlungen bzw. die Grenzwerte, innerhalb derer das Risiko, die Gesundheit durch Alkoholkonsum negativ zu beeinträchtigen, gering, bei höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und für Männer bei 24 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Fragen zur individuellen Menge, die risikolos ist, beantwortet auch der Hausarzt. Tipps zum Umgang mit Alkohol geben auch Suchtberatungsstellen.

schmackhafte-Weintrauben

Woran erkennt man die Qualität eines Weines?

Woran erkennt man die Qualität eines Weines?

Beim Wein ist es wie in der Politik: Man merkt erst

hinterher, welche Flasche man gewählt hat.

Obiges Zitat hat sich für die meisten Menschen schon einmal bewahrheitet: Man steht vor einem endlos scheinenden Supermarktregal und fragt sich, welche Weinflasche es diesmal sein soll. Einige Hinweise, wie z. B. Jahrgang, Anbaugebiet oder Rebsorten etc., liefert das Etikett, und doch ist es oft ein Glücksspiel, ob schließlich ein sehr guter oder ein „trinkbarer“ Wein im Einkaufskorb landet. Und selbst dann, wenn der Wein entkorkt ist, sind viele Genießer überfordert: Ist diese Säure nun ein Charakteristikum dieses Qualitätsweins – oder etwa ein Zeichen für mangelnde Qualität?

Erkenne den guten Tropfen

Weinkorken mit Korkenzieher

Weinkorken mit Korkenzieher

Welche Eigenschaften und Merkmale weisen darauf hin, dass es sich um einen guten Tropfen handelt? Woran erkenne ich Weinqualität und worauf muss man beim Kauf achten? Ist etwa der Preis ausschlaggebend – oder doch die Region bzw. Qualitätsstufen wie Kabinett? Die wichtigsten Merkmale im Überblick:

● Preis

Laut einer in Deutschland durchgeführten Max-Planck Studie ist ein hoher Preis nicht unbedingt Zeichen für eine gute Qualität; auch Experten sind der Meinung, dass auch Supermarkt-Weine durchaus gut schmecken können. Allerdings ist klar: der 1,99 Euro Wein verspricht sicher keinen herausragenden Genuss. Gute und sehr gute Weine gibt es allerdings in der Preisklasse zwischen 10 und 20 Euro durchaus.

● Flasche und Etikett

Der auf dem Etikett angegebene Alkoholgehalt kann auf die Qualität hinweisen – ist jedoch kein Garant. Trockene Weine haben einen höheren Alkoholgehalt, weil sich der Zucker wegen der längeren Gärung in Alkohol umgewandelt hat.

● Aussehen und Farbe

Aussehen und Farbe kann durchaus Aufschluss über die Qualität geben.

-Rotwein
Die Farbe des Rotweins reicht von tiefem Dunkelrot und Dunkelviolett bis hin zu einem frischen, leichten Rot – je nach Region und Rebsorten. Die Farbe sollte nicht ins Bräunliche gehen. Ein Zeichen für Qualität und Lagerungsfähigkeit sind die bereits erwähnten violetten Farbtöne des Rotweins.
-Weißwein
Die Farben des Weißweins reichen von durchsichtig, weiß-schimmernd über bernsteinfarben bis hin zu dunklem Goldgelb. Achten Sie darauf, dass im Wein keine Schwebeteile vorhanden sind, das könnte darauf hindeuten, dass er noch nicht trinkreif ist (ausgenommen Depot).
– Schaumbildung
Ein Sekt soll natürlich perlen. Ein Rotwein jedoch nicht: Öffnen Sie eine Rotweinflasche, der kein Schaumwein ist, und entstehen beim Einschenken trotzdem Bläschen, gärt der Wein in der Flasche nach, statt im Holzfass, wo die Gärung eigentlich stattfindet. Dies sollte nicht passieren – dadurch entstehen unterwünschte Nebenaromen.

● Geruch

Weinprobe im Herbst

Weinprobe im Herbst

Um die Qualität eines Tropfens festzustellen, kann auch der Geruch herangezogen werden. Weinkenner sprechen dabei nicht vom Geruch, sondern vom Weinbouquet. Es sollte eindeutig erkennbar und harmonisch sein – also z. B. nach Waldfrüchten oder Gewürzen riechen. Sind die Aromen allerdings diffus und mischen sich Gerüche nach Schwefel, Essig oder Parfüm, dann spricht das natürlich nicht für einen Qualitätswein. Der Wein könnte „umgekippt“ sein – oder nur ein Fusel sein.

● Geschmack

Die Charakteristik eines Weins festzustellen und zu beschreiben, ist für Ungeübte oft noch schwieriger, als den Geruch zu beurteilen. Hinzu kommen die unterschiedlichen Vorlieben – was der eine wunderbar findet, kann der andere nicht ausstehen.
Deshalb ist es nicht unbedingt das Aroma selbst, das Aufschluss über die Qualität eines Weines gibt, sondern die Harmonie und die Ausgewogenheit. Versuchen Sie zu erkennen, ob:
– Frucht und Säure ausgeglichen sind
– der Wein samtig und weich oder dramatisch und rassig schmeckt
– Tannin und Körper ausgewogen sind.

Weinkenner interessiert nicht nur der Geschmack im Moment, sondern auch jener, nachdem ein Schluck getrunken wurde. Hierbei spricht man vom Abgang. Sind die Aromen vom Wein nach dem ersten Schluck noch auf Gaumen, Zunge und in der Nase zu spüren? Dann trinken Sie einen Qualitätswein – sofern der Abgang schmeckt natürlich.

● Qualitätsstufen

Eine Besonderheit des Weinmarktes in Deutschland ist, dass auf Etiketten Qualitätsstufen angegeben werden. Diese sind durch das Deutsche Weingesetz geregelt. Allerdings verweisen die Prädikatsweine nicht unbedingt auf die tatsächliche Weinqualität, sondern auf den Reifegrad der Traube zum Zeitpunkt der Ernte. Deutsche Winzer etikettieren ihren Wein also mit den Angaben Qualitätswein, Kabinett, Spätlese und Auslese. Während der Kabinettwein leicht und elegant daherkommt, ist ein Glas Spätlese kraftvoll und körperreich mit starken Fruchtaromen. Auslese benennt süß-fruchtige Weißweine, noch süßer und zuckerhaltiger ist die Beerenauslese. Die schon fast nektarartigen, sehr süßen Trockenbeerenauslese Weine werden gerne zum Dessert gereicht – dasselbe gilt für die Eisweine, deren Trauben nur in gefrorenem Zustand geerntet werden.

● Alkoholgehalt: Der Kirchenfenster-Trick

Vier verschiedene Weinflaschen liegen  auf Stroh

Vier verschiedene Weinflaschen liegen auf Stroh

Zwar muss der Kirchenfenster-Trick nicht zwingend etwas über die Qualität des edlen Getränks aussagen – jedoch über die Konzentration diverser Inhaltsstoffe, besonders über Glyzerin bzw. über den Alkoholgehalt eines Weins. Dadurch kann auch die Viskosität, also die Zähflüssigkeit des Rebensafts, bestimmt werden: Je zähflüssiger der Wein ist, umso langsamer und größer sind die Tränen, die beim Schwenken des Glases entstehen. Einfach das Glas zur Hand nehmen und etwas schwenken, so dass der Wein die Innenwand benetzt.
– Alkoholreiche Weine erzeugen starke „Tränen“ und spitzbogige Kirchenfenster.
– Alkoholarme Weine erzeugen schwache „Tränen“ und rundbogige Kirchenfenster.
Bei Süßweinen ist eine gesteigerte Viskosität ein Anzeichen für einen hohen Zuckergehalt. Ist dies bei trockenen Weinen der Fall und übersteigt sie ein bestimmtes Maß, dann ist der Wein lind – hat also eine Weinkrankheit, die den Wein fad schmecken lassen. Ansonsten zeigen die „Tränen“ generell an, dass es sich um Edelalkohol handelt – und nicht um billigen Fusel. Winzer können bereits früh den möglichen Alkoholgehalt des Weins ableiten – dies ergibt sich auch über das Mostgewicht, das in Oechsle gemessen wird und für Kenner bereits einiges über die zu erwartende Qualität aussagt.

Weinetikett prüfen

Die Preisfrage: Wieviel sollte eine Flasche Wein kosten?

Die Preisfrage: Wieviel sollte eine Flasche Wein kosten?

Die Flasche Soave im Supermarkt kostet 1,69 Euro. Einen Nero d’Avola, einen herrlich vollmundiger Merlot aus Sizilien, gibt es in Deutschland oder Österreich für 2,89 Euro. Wie kann für diese Preise Wein produziert werden? Aus Weinstöcken, die gesetzt, gepflegt und vom Winzer gehegt werden müssen, aus Trauben, die langsam reifen, die geerntet und in einem aufwändigen Zyklus weiterverarbeitet werden müssen.

Die Flasche Soave für 1,69: Ist das noch Wein?

Junge Frau sucht Wein im Supermarkt

Junge Frau sucht Wein im Supermarkt

Handelt es sich bei Weinen dieser Preisklasse überhaupt noch um Wein? Oder steckt hinter den billigen Preisen die bacchische Entsprechung zum „Analog-Käse“ – einem Produkt, das zwar wie Käse schmeckt, aber kein „echter“ Käse ist?
Experten verneinen. Rund 40 Prozent des Weins unter 3 Euro seien trinkbar, rund 5 Prozent sind sogar „gut“. Supermarktketten wie Aldi beziehen ihren Wein von „Weinfabriken“, z. B. von der Weinkellerei Peter Mertes an der Mosel. In der größten Weinfabrik Deutschlands werden 200 Millionen Liter Wein pro Jahr fabriziert. Wegen der Überproduktion in Europa kann Traubengut z. T. extrem billig angekauft werden, z. B. für 10 Cent für Most, der eigentlich vernichtet werden sollte. Die Vorstellung des Konsumenten, dass hier ein Winzer hinter dem Wein steht, der seine Reben hegt und pflegt und liebevoll Wein herstellt, wird freilich nicht erfüllt. Der Traubenmost kommt irgendwoher, verarbeitet wird er in Fabriken.

Fabriken und Großkellereien statt beschaulicher Weingüter

Die billigen Preise macht also die Massenfertigung möglich: Wein wird in riesigen Stahltanks vergoren und vermischt, Most und Trauben werden ebenfalls en masse eingekauft. Viele Weinbaubetriebe agieren nur mehr als Zulieferer für die Weinfabriken. In Großkellereien wie Peter Mertes läuft alles automatisiert ab; Flaschen, Korken und Etiketten werden ebenfalls günstig auf Masse gekauft. Teures Marketing ist nicht nötig, weil die Sauvignon, Pinot noir oder Riesling Flaschen prominent in den Supermarktregalen platziert werden.

Beispielrechnung für einen Wein-Großhersteller

Für Produzenten und Händler bleibt also genug übrig, obwohl Sekt, Weißweine und Rotweine im Supermarkt im deutschen Durchschnitt gerade mal 2,90 Euro kosten. Studien haben ergeben, dass der Durchschnittspreis der Weine vor allem in Deutschland und Österreich gering ist, in Frankreich und Italien etwas höher. Anscheinend sind die Südländer also eher bereit, etwas teureren Wein zu kaufen. Folgend ein Beispiel, das zeigt, wie „Wein-Großfabriken“, wie z. B. Peter Mertes, ihre Preise kalkulieren:

● Einkauf: Zwischen 0,60 und 1,50 € p/ Liter Qualitätswein
● Ummantelungskosten
(z.B. Verarbeitung, Verpackung, Logistik): Zwischen 0,30 und 0,50 € p/ Liter Qualitätswein

● Kosten insgesamt: Zwischen 0,90 und 2,00 €/p Liter Wein
Max-Planck-Studie: Im mittleren und oberen Segment sagt der Preis nichts über die Qualität des Weins aus

Laut einer Max-Planck-Studie korreliert der hohe Preis einer Weinflasche nicht zwingend mit der Qualität. Die 2012 durchgeführte Studie untersuchte 1.890 Weine von 248 Weingütern aus Rheinhessen und dem Rheingau; untersucht wurden auch die preisbestimmenden Faktoren auf dem deutschen Weinmarkt. Die Wissenschaftler kommen – zumindest was das Hochpreissegment angeht – zum Schluss „Zertifizierte Weine erzielen einen höheren Preis, obwohl das nicht immer ein Zeichen für höhere Qualität oder besseren Geschmack ist“. So würde der Preis selbst als Qualitätssignal gelesen werden im Sinne von „Wenn der Wein 80 Euro kostet, muss er gut sein“ – eine selbsterfüllende Prophezeiung also.

Wein hat symbolischen Wert

 

Mit einer teuren Flasche Pinot Noir oder Sauvignon, die meistens im Beisein von Geschäftskollegen oder Freunden geöffnet wird, kauft sich der Käufer, so die Wissenschaftler, Status und Stil. Und auch für die Welt des Weins gilt das Prinzip der Knappheit: Eine Flasche Romanée-Conti aus dem Jahr 2005 kostet nicht nur deshalb über 20.000 Euro, weil sie zehn Jahre alt ist, sondern weil es nur mehr wenige Flaschen davon gibt. Selbst die teuersten Weine kosten – so Insider – in der Produktion selten mehr als 15 Euro pro Flasche. Wein hat also, ähnlich wie Gemälde, auch einen symbolischen Wert – zumindest jener Wein des oberen und mittleren Preissegments. Nicht zuletzt ist dies daran zu erkennen, dass Luxus-Geschäfte wie z. B. „Harrods“, die Food & Wine betreiben, wo teuerste Weine und edles Zubehör reisenden Absatz finden.

Zwei Klassifikationssysteme für deutsche Weine

Vier verschiedene Weinflaschen liegen  auf Stroh

Vier verschiedene Weinflaschen liegen auf Stroh

Dass die Qualität des Produkts sich nicht auf den ersten Blick erschließt, wie z. B. bei Obst und Gemüse, liegt daran, dass der Wein verschlossen ist, und daran, dass es in Österreich, Italien, Spanien und Frankreich jeweils unterschiedliche Klassifikationssysteme gibt. Selbst in Deutschland werden zwei unterschiedliche Klassifikationssysteme für Weine angewandt. Das offizielle Klassifikationssystem für Weine misst die „Qualität im Glas“ anhand der Inhalts- und Geschmacksstoffe. Für den privaten Verband der Prädikatsweingüter, auch VDP genannt, sind die Bodenbeschaffenheit des Anbaugebiets, die geografische Lage, die Rebsorte und die Tradition des Weingutes ausschlaggebend für dessen Qualität. Welche Faktoren also die Qualität bestimmen – darüber sind sich selbst die Experten nicht einig.

Und wie urteilt der Sommelier?

Supermärkte wie Aldi bemühten sich darum, die Weinqualität zu stabilisieren. Selbst der Vizepräsident der Deutschen Sommelier-Union meint, dass der Discounter-Wein „nicht unbedingt schlecht ist und es durchaus auch Weine um die 5 Euro gibt, die schmecken würden“ – nicht alles ist also billiger Fusel; „Charaktervolle, komplexe und individuelle Spitzenweine würde es für 3 Euro dennoch nicht geben“.

Scheint einleuchtend. Wer allerdings gerade im Toskana-Urlaub ist, kann den ein oder anderen köstlichen Wein, der tatsächlich noch von echten italienischen Winzern auf ihrem Weingut produziert wird, direkt ab Hof schon für Discounter-Preise kaufen. Wer seinen Wein in einem deutschen Supermarkt kauft, sollte allerdings schon mindestens fünf Euro für die Flasche ausgeben.

Weinetikett prüfen

Was verrät das Flaschenetikett

Was verrät das Weinflaschen-Etikett?

Im Wein liegt die Wahrheit; der Schwindel
liegt im Etikett.

Als um 1800 die Lithographie erfunden wurde, erhielten Flaschenbäuche erstmals ein bedrucktes Etikett aus Papier. Doch schon die Griechen und Römer ritzten in ihre mit Wein oder Olivenöl gefüllten Amphoren Informationen zu Herkunft und Sorte der Produkte. Heute sind Weinetiketten, die lange eher eine Art „Infotafel“ waren, wahlweise bunt und funky oder edel und elegant. Der Shiraz des Labels Yellow-Tail soll sich – so munkelt man – hauptsächlich wegen des Kängurus auf seinem Etikett so gut verkaufen. Selbst Profis, so geben Sommeliers nach ein paar Gläsern köstlichem Cabernet kleinlaut zu, sind optisch verführbar. Wie geht es erst den Laien!

Infos auf dem Weinetikett

Infos auf dem Weinetikett

Sind Etiketten nur noch Marketing – oder auch Information?

Was verraten die Etiketten heute noch über den Wein? Wird noch Inhalt und Information vermittelt – oder geht es bei Weinetiketten nur mehr ums Marketing? In Deutschland werden die Informationen, die auf die Etiketten kommen, zum einen durch das deutsche Weingesetz, zum anderen durch Normen der EU geregelt (Verordnung Nr. 607/2009).

Ein deutscher und ein französischer, spanischer oder italienischer Wein müssen – weil ein Teil des Etiketts immer noch national geregelt wird – nicht dieselben Informationen enthalten. Die Details bzw. der Text auf den Etiketten sind somit je nach Nation und teilweise auch nach Region unterschiedlich. Was Farbe und Design betrifft, können Winzer bzw. Vermarkter den Aufkleber frei gestalten. Viele Weinbauern verfügen über eigene Etikettier-Systeme, z. B. von Herma.

Was verraten die Hinweise auf den Weinetiketten?

  • Erzeuger bzw. Winzer
    Einer der wichtigsten Hinweise auf den Etiketten ist jener des Winzers bzw. des Weinguts. Bei Tafelwein oder auch Landwein darf in Europa nicht angegeben werden, aus welchem Qualitätsweinanbaugebiet der Wein stammt. Statt dem Ortsnamen steht in diesem Fall die Postleitzahl auf dem Aufkleber.
  • Abfüller
    Der Abfüller, der auf den Flaschenetiketten genannt wird, verrät, ob der Wein von einem Massenabfüller kommt, z. B. von einer großen Handelsgesellschaft, oder von einem kleinen Weingut bzw. einem Abfüller, der den Wein auch selbst hergestellt hat. Wird auf den Erzeuger verwiesen, z. B. mit den Begriffen Weingut, Chateau, propriété, azienda, tenuta oder domain, dann halten Sie ein Qualitätsprodukt in den Händen. Wird der Wein nicht vom Erzeuger abgefüllt, wird dies oft auch in kleinen Buchstaben vermerkt. Suchen Sie nach dem deutschen Begriff „Abfüller“ oder aber auf dem Etikett eines italienischen Weins nach „imbottigliato“, auf dem eines spanischen nach „embottelado“ und auf dem französischen nach „mise en bouteille“.In Deutschland kann der Begriff „Abfüller“ durch die Begriffe „Erzeugerabfüllung“, „Gutsabfüllung“ (Erzeugerabfüllung + weitere bestimmte Voraussetzungen, wie z. B. önologische Ausbildung der für die Weinbereitung verantwortlichen Person) oder „Schlossabfüllung“ (Gutsabfüllung + Weinbereitung in einem unter Denkmalschutz stehendem Schloss) ersetzt werden.
  • Jahrgang
    Detailansicht Weinetikett

    Detailansicht Weinetikett

    Der Jahrgang verrät, wann der Wein produziert wurde, diese Information wird in die Gestaltung der Etiketten meist miteinbezogen. Weißweine sollten höchstens zwei Jahre alt sein, während einfache Rotweine schon drei bis vier Jahre „auf dem Buckel haben“ können. Rote Weine können deutlich länger gelagert werden als Weißweine, weil Letztere schneller mit Sauerstoff reagieren und bei Weißweinen vor allem die Frische geschätzt wird, die mit dem Alter des Weins abnimmt. Bei Rotweinen ist es komplizierter: Zwar gibt es durchaus Rotweine, die nach 20 Jahren Ruhe im Keller fantastisch schmecken. Allerdings hängt dies stark von dessen Qualität ab und ob der jeweilige Jahrgang ein lange lagerungsfähiger Jahrgang ist.

Das heißt: Nur weil ein Rotwein alt ist, ist er noch lange nicht gut. Grundsätzlich gilt: Je höher der Alkohol-, Süß-, Säure- und Gerbstoffgehalt eines Weines, umso länger ist seine „Lebenserwartung“. Süße, weiße Eisweine können ebenfalls noch nach 20 Jahren köstlich schmecken. Reifte ein Rotwein im Barrique-Fass und liegt der Alkoholgehalt über 13 % vol., erhöhen diese Umstände die Chance, dass der Wein im Alter genießbar ist. Jeder Wein ist individuell; wer den besten Jahrgang will, muss also selber testen!

  • Alkoholgehalt
    Der Alkoholgehalt ist eine verpflichtende Angabe, die alle Etiketten schmücken muss. Welcher Alkoholgehalt bevorzugt wird, hängt von den eigenen Präferenzen ab. Bewährt haben sich 12, 5 % für Weißwein und 13,5 % für Rotwein.
  • Rebsorte
    Während Weinliebhaber diese Angabe auf spanischen, französischen oder italienischen Weinetiketten oft vergeblich suchen, prangt auf österreichischen, deutschen, amerikanischen und australischen Etiketten die Rebsorte, die eine schnelle Orientierung liefert. In anderen Weinbauländern, wie z. B. Italien oder Spanien, wird stattdessen oft nur die Region angegeben (z. B. Montepulciano, Bordeaux).● Trocken – halbtrocken – feinherb – lieblichIn Deutschland können selbstklebende Weinetiketten auch mit Informationen zu der Geschmacksrichtung versehen werden – je nachdem prangt auf der Flasche das Attribut trocken, halbtrocken, feinherb oder lieblich. Das deutsche Weingesetz lässt nur diese vier Geschmacksbezeichnungen zu – und regelt diese Informationen, die Weinetiketten gestalten können, sehr genau.Als trocken werden durchgegorene Weine ohne schmeckbare Süße bezeichnet, die einen Restzuckergehalt zwischen 4 und 9 g/l aufweisen. Der Gesamtsäuregehalt darf höchstens 2 g/l niedriger sein als der Restzuckergehalt. Charakteristisch für halbtrockene Weine ist eine kaum wahrnehmbare Rest-Süße. Die Höchstwerte liegen zwischen 12 und 18 g/l. Lieblich ist ein Wein dann, wenn der Restzuckergehalt höher als 18 g/l ist und unter 45 g/l liegt. enn sich der Restzuckergehalt oberhalb von 45 g/l einpendelt, darf der Wein als süß bezeichnet werden.
  • Geschützte Ursprungsbezeichnungen
    Produkte mit einem Etikett, das eine geschützte Ursprungsbezeichnung angibt, müssen in einem bestimmten Gebiet nach einem bestimmten Verfahren hergestellt werden.
  • Lage
    Die Bezeichnung der Lage kann auf einen historisch verbürgten und bedeutenden Weinberg hinweisen; allerdings kann die Nennung der Lage auch nur aus Marketinggründen geschehen – und hinter der Lagebezeichnung nur „heiße Luft“ stecken – zumindest bei deutschen, italienischen und spanischen Weinen. In Frankreich hingegen wird ein historisch gewachsenes System angewandt, das Weinberg-Klassifizierungen wie „Grand cru“ und „Premier cru“ umfasst und tatsächlich Auskunft über die Qualität des Weines gibt.
  • Qualitäts-Stufen bzw. Prädikatsweine, wie z. B. Spätlese oder Reserva
    Eine deutsche Besonderheit, die durch das Weingesetz geregelt ist, ist die Angabe der Qualitätsstufe auf Etiketten, die sich aus dem Reifegrad der Traube zum Zeitpunkt der Ernte ergibt. Der Zusatz „Spätlese“ bedeutet z. B., dass die Trauben lange am Rebstock gereift sind und dadurch viel Zucker und Aromastoffe ausbilden konnten. Die Qualitätsstufen sind „Qualitätswein“, „Kabinett“, „Spätlese“ und „Auslese“.

Die italienischen und spanischen Qualitätsangaben Riserva und Reserva beziehen sich auf die langen Reifezeiten im Holzfass: Ein spanischer Reserva muss mindestens drei Jahre lang reifen, eines davon im Eichenfass; der Gran Reserva benötigt fünf Jahre. In anderen Ländern ist die Herstellungsbezeichnung Reserva – Riserva oft nicht geschützt. Für Qualität bürgen diese Begriffe also nur dann, wenn es sich um einen spanischen oder italienischen Wein handelt, andere können ihre Weinetiketten nach Gutdünken mit diesen Qualitätsbegriffen gestalten.

Deutsche Prädikatsweine im Überblick:

    • Kabinett
      Leicht und elegant wie eine milde Juni-Nacht; der Kabinett-Wein wird außerdem durch einen niedrigen Alkoholgehalt geprägt.● SpätleseDieser kräftige Weintyp zeichnet sich durch ausgeprägte Fruchtaromen aus; spät geerntete Trauben bilden die Grundlage für den Wein.
    •  Auslese
      Fruchtige, süße Weißweine aus vollreifen Trauben sind charakteristisch für Auslese-Weine.● BeerenausleseÜberreife Trauben sind die Grundlage für diesen Wein, der eine hohe Zuckerkonzentration aufweist; die Beerenauslese kann nicht in jedem Jahr geerntet werden.
    • Trockenbeerenauslese

Die Trauben für die Trockenbeerenauslese erinnern eher an Rosinen als an Trauben. Der elegante, lagerfähige Süßwein wird durch einen sehr hohen Zuckergehalt, nektarartige Konsistenz und Aromen, die an Honig und exotische Früchte erinnern, geprägt.

  • Eisweine
    Eiswein

    Eiswein

    Erst nachdem der erste Frost die sehr reifen Trauben runtergekühlt hat, werden sie in gefrorenem Zustand geerntet und gekeltert. Der hohe Zuckergehalt macht den Eiswein zum beliebten Dessertwein. Die Eisweinlese gelingt übrigens nicht jedes Jahr; wenn das edle Getränk in den Flaschen landet, dann können diese oft über Jahrzehnte im Keller weiterreifen bzw. sehr lange gelagert werden.