(Weingut von Racknitz) Odernheim/Lustadt, 04.11.2008

Die ältesten Reben Deutschlands stehen am Disibodenberg

Sensationelle Entdeckung!

Auf der Suche nach seltenen Rebsorten inventarisiert der Biologe und Rebsortenkundler Andreas Jung die noch vorhandenen wurzelechten Bestände mit alten Reben in Deutschland. Im Zuge dieser von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Auftrag gegebenen bundesweiten Erhebung ist Herr Jung schon auf erstaunlich viele seltene, teils ausgestorben geglaubte Rebsorten wie Adelfränkisch, Fütterer oder Süßschwarz gestoßen, die von ihm für die Zukunft gesichert werden. Auf Einladung des Weingutes von Racknitz hat Herr Jung in den historischen Anlagen des Weingutes von Racknitz recherchiert und dort die nach seiner Einschätzung ältesten Reben Deutschlands gefunden. Aufgrund ampelographischer Vergleiche ist sich Herr Jung sicher, dass es sich bei den 5 Reben um die Rebsorte Orleans handelt. Orleans gehört zu den späten, sehr säurebetonten Rebsorten, die nur in heißen Lagen ausreifen. Eine Bedeutung als Hauptsorte hatte er im 19. Jahrhundert nur am Rüdesheimer Berg, wo er heute wieder im Anbau ist. Zerstreute Vorkommen gab es bei Heidelberg und im Breisgau. Bei Deidesheim wurde er zur Abschreckung entlang der Wege gebaut, um Mundraub vorzubeugen. Während der Kleinen Eiszeit (1550-1850) dürfte diese spätreife Sorte keine Rolle gespielt haben. Säurebetonte, spätreife Sorten waren aber während der 200-jährigen Hochphase der hochmittelalterlichen Wärmeperiode geschätzt. Bei voller Reife bringt Orleans feurige, gewürzhafte und sehr stabile, lagerfähige Weißweine.

Die 5 verwilderten Reben des Weissen Orleans am Disibodenberg haben an den äußeren Mauerkanten schwer zugänglicher und deshalb längst aufgelassener Weinterrassen überlebt, wo sie mehrfach verzweigt die Steilwand herunterhängen und so der Lichtkonkurrenz der Schlehengebüsche entgehen konnten. Unter Berücksichtigung des im Weingut von Racknitz vorhandenen historischen Kartenmaterials kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei den identifizierten Reben um Anpflanzungen des Heidelberger Gartenarchitekten und Ampelographen Johann Metzger (1789-1852) handelt, der 1827 eine eigene Ampelographie über den Rheinischen Weinbau verfasste und auch den romantischen Landschaftspark um die Klosterruine Disibodenberg geplant hat. Insofern müssen die Reben aus einer Zeit stammen, als das Kloster Disibodenberg und dessen Weinberge noch in Betrieb gewesen sind, also zwischen 1108 und der Aufgabe des Klosters in 1559. Diese Zeitspanne entspricht der Dauer der mittelalterlichen Warmphase. Hildegard von Bingen war eine der ersten, die vom Hunnischen Wein sprach, zu dem auch der Hartheunisch alias Orleans gehörte.

Der Südwestrundfunk hat diese Neuigkeiten zum Anlass genommen, auf dem Disibodenberg einen Beitrag zu drehen, welcher voraussichtlich am 10. November 2008 im Rahmen der Landesschau gezeigt wird.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Andreas Jung oder dem Weingut von Racknitz.

Büro für Rebsortenkunde und Klonzüchtung
Andreas Jung
Heidengasse 13
D-67363 Lustadt
Tel. 06347-700294
email: andreas.jung@online.de

Weingut von Racknitz
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