(Landwirtschaftskammer Rheinland Pfalz) Bad Kreuznach, 26.10.2009

Alte Steine, junge Weine

Das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz darf als Modell für eine zeitgemäße Präsentation antiker Fundstücke bezeichnet werden: In freundlich-heller Atmosphäre wird dem Besucher eine spannende Dokumentation historischer Zeugnisse sowie ihrer Entdeckung, Bergung und Konservierung nach fast 2000 Jahren geboten. Zwischen den antiken Relikten aus Holz und Stein ein Forum für rheinhessische Spitzenweine aufzubauen, darf auch im 14. Jahr der Veranstaltung des Weinforums Rheinhessen im Museum für Antike Schifffahrt noch als geniale Idee bezeichnet werden. Die Überreste römischer Flussschiffe, Nachbauten in Modell- und Originalgröße sowie eine Vielzahl in Stein gehauene Bildnisse und Schriften bieten hier den einmaligen Rahmen für ein bemerkenswertes Weinerlebnis.

So wie das Museumskonzept Schwerpunkte setzt, um den Besucher nicht mit der Fülle der römischen Hinterlassenschaft am Rhein zu erschlagen, so setzen auch die Veranstalter des Weinforums, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und Rheinhessenwein e.V., Schwerpunkte. Insbesondere bei den Rebsorten beschränkt man sich im Wesentlichen auf Klassiker wie Riesling, Silvaner, Weiß- / Grauburgunder und Chardonnay bei den weißen, auf Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser bei den roten Rebsorten. Lediglich bei den lieblichen Weißen und den Roten mit Barriqueausbau wird mit Huxel, Scheu, Sieger oder Bacchus und mit Merlot, Syrah oder Cabernet Sauvignon ein Hinweis auf die rheinhessentypische Rebsortenvielfalt gegeben. Mutig aber konsequent, die mit rd. 4.300 Hektar noch immer flächenstärkste Rebsorte Müller-Thurgau/Rivaner in diesem Jahr einmal gar nicht ins Programm aufzunehmen. Deutlich ist die diesjährige Dominanz der Klassiker am mit über 53 Vertretern reich bestückten Tisch der “Selection Rheinhessen”. Alte Reben, klassische Rebsorten, reduzierte Erträge und die selektive Lese von Hand, so lauten die Eckdaten für die Erzeugung im absoluten Premiumsegment des größten deutschen Weinbaugebietes, das im aktuellen Wein insgesamt nur 56 Weine verzeichnet.

Zwischen die Eliteklasse und dem weiteren – durchweg hochwertigen, weil ausschließlich mit Gold bei der Landesprämierung ausgezeichneten – Forumssortiment haben die Veranstalter unter dem Motto “Delikatessen aus Rheinhessen” Produkte rund um den Wein von Dornfeldersenf bis Sektgelee platziert. In einem Silvaner-Workshop können vier Silvanerweine mit spezifischer Lagencharakteristik probiert und verglichen werden, wobei Infotafeln und Bodenproben lehrreiches Anschauungsmaterial bieten. Nach Riechprobe mit der Erkenntnis, dass Größe und Form des Glas die Entfaltung der Aromen des darin befindlichen Weins nicht unwesentlich beeinflussen, ist der Besucher dann bereit, aus dem üppigen Angebot des Forums seine Favoriten heraus zu schmecken. Ein übersichtlicher Katalog leistet dabei nützliche Hilfe, ohne zu belehren oder zu bevormunden. Die Reihenfolge der Probentische ist ein Vorschlag, der befolgt werden kann oder nicht. Rund um die Tische ist Platz für Kommunikation auch im größeren Kreis. Und wer mag, geht einen Schritt zurück und findet zwischen zwei antiken Gedenksteinen Raum und Zeit für den stillen Genuss. Als Highlight am Ende des Parcours laden dann noch 18 im Barrique ausgebaute Rotweine dazu ein, festzustellen, dass Rheinhessen im Rotweinbereichen zur deutschen Spitzenklasse aufgeschlossen hat, die auch international keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Am Barriquestand finden sich einzelne Vertreter der Jahrgänge 2006 und 2007; ansonsten heißt es im Museum für Antike Schifffahrt: Alte Steine – junge Weine. Der Jahrgang 2008 zeigt eindrucksvoll sein Potenzial, das zu erschließen aber nur mit Fleiß und Sorgfalt qualifizierter Winzerarbeit in Weinberg und Keller gelingen konnte. Landwirtschaftskammer und Rheinhessenwein e.V. haben ihm mit dem Weinforum Rheinhessen eine angemessene Bühne gegeben.