(pts) Tulln/Wien, 03.09.2009

Botrytis-Bekämpfung: Österreichs Winzer setzen auf neues Öko-Mittel

Aufatmen bei Österreichs Winzern: Es gibt ein hochwirksames ökologisches Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der gefürchteten Graufäule. Das innovative Produkt stößt auf hohe Akzeptanz und wird seit seiner Zulassung breit eingesetzt, auch von zahlreichen Topwinzern.

Graufäule: Eine massive Bedrohung

Die Graufäule (Botrytis) wird vom Pilz Botrytis cinerea ausgelöst. Ausfälle von über 50% sind keine Seltenheit, die Qualität des Traubenmaterials wird stark eingeschränkt. Sind die Weintrauben einmal befallen, können häufig weitere Schimmelpilze in die Trauben eindringen. Laut bio-ferm Experten-Schätzungen könnte allein in Österreich ein Schaden von bis zu 40 Mio. Euro drohen. Das Tullner Biotechnologie-Unternehmen bio-ferm hat nun das Öko-Pflanzenschutzmittel Botector auf den Markt gebracht, das sich die Konkurrenzkraft des Pilzes Aureobasidium pullulans, der auch natürlich im Weingarten vorkommt, zu Nutze macht. Diese hefeähnlichen Pilze halten die Graufäulepilze in Schach und blockieren deren Verbreitung, wie Univ. Prof. Helmut Redl vom Institut für Pflanzenschutz der Wiener Universität für Bodenkultur bestätigt. Er hat die wichtigsten zugelassenen Traubenfäule-Mittel in einem breiten Feldversuch getestet. Sein erfreuliches Resümee: “In mehrjährigen Freilandversuchen konnte gezeigt werden, dass das Hefemittel von bio-ferm auch unter sehr hohem Befallsdruck und bei nur zwei Nachblütebehandlungen – einen vergleichbaren Wirkungsgrad wie chemische Botrytizide erzielte; mit dem zusätzlichen Vorteil, dass dieses biologische Mittel im Wein keine Rückstände verursacht und keine Wirkungsminderung aufgrund von Resistenzbildungen im Weingarten zu erwarten ist.”

Großes Interesse an biologischer Alternative

Wie groß die Erleichterung über die neue biologische Alternative ist, zeigt sich daran, dass Botector gleich im ersten Jahr seiner Zulassung in Österreich bereits auf über 500 ha Weingartenfläche angewendet wurde. Unter den umweltbewussten Anwendern befinden sich viele Top-Winzer wie die Weingüter Bründlmayer in Langenlois, Weninger in Balf, Winkler-Hermaden in Kapfenstein u.a. mehr. Auch die Weinbauschulen Klosterneuburg, Silberberg (Stmk.) und Laimburg in Südtirol verwenden Botector. bio-ferm Geschäftsführer und Botector-Erfinder Univ. Prof. Herbert Danner: “Für uns ist es eine schöne Anerkennung, dass nach jahrelanger Entwicklungsarbeit, unser biologisches Mittel eine so breite Anwendung findet”.

Und Weinbaupräsident Josef Pleil meint: “Die starke Verwendung dieser ökologischen Alternative zeigt, wie wichtig den heimischen Weinbauern der Umweltgedanke ist. “Vor allem für Bio-Winzer gab es bisher kein effizientes Mittel zur Bekämpfung der Graufäule. Sie konnten nur vorbeugend arbeiten und mussten infiziertes Traubenmaterial in mühevoller Handarbeit entfernen.

Rückstandsfrei

Die Anwendung des Mittels erfolgt durch zwei bis dreimalige Applikation direkt in die Traubenzone. Im Gegensatz zu chemischen Graufäule-Bekämpfern stellt es keine Gefahr für Mensch, Tier (z.B. Bienen) und Umwelt dar. Herbert Danner schätzt, dass allein in Österreich bei ungünstigem Witterungsverlauf 15.000 ha Reben betroffen sein könnten. Weltweit könnten rund 10% der 8 Mio ha Weingärten unter der Graufäule zu leiden haben. Vor allem die qualitätsorientierte Weißweinproduktion, aber auch die Herstellung von hochwertigen Rotweinen kämpfen mit der bedrohlichen Graufäule. Da das ökologische Pflanzenschutzmittel weder die Weinqualität noch die Spontangärung der Weine einschränkt, rechnet die bio-ferm damit, dass Botector auch von den Weltklasse-Weinbaugebieten aus dem übrigen Europa, Kalifornien, Chile und Süd-Afrika nachgefragt werden wird. Der Vertrieb des Mittels erfolgt in Österreich über die RWA (Raiffeisen Ware Austria). International wird mit einschlägigen Generalimporteuren aus der Pflanzenschutzmittelbranche kooperiert.