(Weinbauverband Saale-Unstrut e. V.) Freyburg, 07.08.2009

Das Wetter fordert die Winzer heraus

Vorbereitungen für Winzerfest Freyburg und Weinlese laufen auf Hochtouren

In diesen Wochen schauen die Winzer an Saale und Unstrut recht sorgenvoll in den Himmel, denn der bisherige Klimaverlauf konnte die Rebexperten alles andere als beruhigen. Angesichts der Wetterkapriolen sind sie mit all ihrem Einfallsreichtum gefordert. „Trotzdem werden wir in diesem Jahr wahrscheinlich nur zwischen 2,5 und drei Millionen Liter ernten können“, schätzt der Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut, Siegfried Boy, vorsichtig ein. Nach den großen Ernten der letzten drei Jahren – allein fünf Millionen Liter vom Jahrgang 2008 – wären das etwa 50 bis 70 Prozent. Bei der Qualität gäbe es aber keine Abstriche, betonte er.

Drei Phänomene bereiten den Winzern in diesem Jahr besondere Sorgen. Das Weinjahr begann mit einigen heftigen Frostnächten mit Temperaturen unter minus 20 Grad, stellenweise minus 25 Grad. Die Folgen zeigten sich dann im Frühjahr beim Austrieb der Reben. Je nach Sorte und Lage waren die Winzer unterschiedlich davon betroffen. Bei den früh reifenden Rebsorten mussten sogar Totalausfälle hingenommen werden. Besonders in den unteren Tallagen beschädigte der Frost die Reben erheblich. So könnte ein Müller-Thurgau des Jahrgangs 2009 eine Rarität bei so manchem Winzer werden. Im Frühjahr hat sich dann auch die Blüte recht lange Zeit genommen, was immer wieder zu Verrieselungen führte, wie man die mangelhafte Befruchtung nennt. Auch der häufige Regen fordert Tribut. Das feuchte Klima begünstigt Pilzbefall u. a. durch Echten und Falschen Mehltau und verlangt von den Winzern mit viel Feingefühl dagegen vorzugehen.

Die großen Agrargenossenschaften, die die Winzervereinigung Freyburg beliefern, äußern sich dabei verhalten optimistisch, obwohl auch hier Müller-Thurgau und Bacchus gelitten haben. Bei den Privatweingütern zeigt sich ein differenziertes Bild. Manche von ihnen nutzten aber gleich die Gelegenheit, sich von klimatisch schwierigen Lagen zu trennen und an anderer Stelle neu aufzureben. Andere haben unbeschadet das Wetterkarussell überstanden. Ende September wird mit dem Start der Lese gerechnet.

Kurz bevor die Trauben aber vom Stock kommen, dürfen die Winzer und mit ihnen viele Weinfreunde noch einmal feiern, um die Keller für die neue Ernte leer zu bekommen. Zum Freyburger Winzerfest vom 11. bis 14. September 2009 wurde jetzt das Logo und das Motto präsentiert. Zur Motivsuche war ein Wettbewerb gestartet worden, dessen Gewinner die Hamburger Werbeagentur „noclouds“ wurde. In ihrem Entwurf trägt Dionysos, der griechische Gott des Weins, die von ihm behütete Frucht zum Menschen. Denen bringt sie viel Arbeit, aber auch viel Frohsinn. Und den beiden Kreativen der Hamburger Agentur brachte es zumindest einen Korb mit edlen Saale-Unstrut-Tropfen. Dazu kommt die Ehre, dass ihr Dionysos-Motiv die aktuellen Festgläser und auch die Plakette schmückt, die sich traditionsbewusste Gäste gern an die Jacke oder die Bluse heften. „Wir wollten dem Winzerfest 2009 ein spezielles Gepräge geben“, kommentiert Sandra Polomski, Geschäftsführerin der Gebietsweinwerbung, die Entscheidung für dieses Symbol. Unzählige weitere Entscheidungen rund um das Winzerfest sind ebenfalls gefallen. Zu Musik und Show laden unter anderem Hauff & Henkler, die Happy Swing Band, Borderline, Horizont, die Firebirds und Maja Catrin Fritsche ein. Als Zentrum des Winzerfestes wird wie gehabt auf dem Markt und in der Mittelalterstraße ein buntes Treiben herrschen. Auch die Proklamation der neuen Weinkönigin und der große Festumzug stehen wieder als Höhepunkte auf dem Programm.

Zum ersten Mal stellen beim diesjährigen Winzerfest die Jungwinzer ihr eigenes Programm auf die Beine. Sie richten sich mit Bühnenaktionen wie Kino.vino, einer Pralinenshow, origineller Moderation und den Auftritten von Nachwuchsbands aus der Region vornehmlich an junge Menschen. Andererseits will die nächste Winzergeneration schon einmal Gesicht zeigen.

Fest eingeplant hat das Winzerfest auch Gunther Emmerlich. Der Weinbotschafter des Anbaugebietes zog vor der Presse eine erste Bilanz. Vor genau einem Jahr trat der Sänger und Entertainer sein diplomatisches Amt an. Angefangen mit dem Winzerfest im vergangenen Herbst über mehrere Messen und das Jungweinfest in Berlin im Frühjahr bis hin zur Landesweinprämierung hat der Weinfreund Emmerlich einerseits selbst neue Facetten der Saale-Unstrut-Weine kennengelernt und andererseits viele Menschen außerhalb der Region neugierig auf die Tropfen aus Deutschlands nördlichstem Qualitätsanbaugebiet gemacht.

Traditionsgemäß werden beim Winzerfest auch die neuen Träger des Gütesiegels „Gastlich Saale-Unstrut“ vorgestellt. Bislang dürfen sich 15 gastronomische Einrichtungen in der Saale-Unstrut-Region mit dem Emblem schmücken. Es belegt die Qualität ihres Angebots an regionalen Speisen und Weinen. Nun wird auch das Gasthaus Pretzsch in Zscheiplitz die Auszeichnung tragen dürfen. Das Gütesiegel „Gastlich Saale-Unstrut“ wurde im Jahr 2006 gemeinsam vom Tourismusverband und dem Weinbauverband aus der Taufe gehoben. „Uns kommt es dabei besonders auf Service, beste Informationen und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis im Weinangebot an“, beschreibt Andrea Meyer, Geschäftsführerin des Saale-Unstrut Tourismus Verbandes, die Vergabe-Bedingungen. Jeweils im Sommer macht eine mehrköpfige Kommission verdeckt die Probe aufs Exempel. Experten des Weinbauverbandes Saale-Unstrut, des Tourismusverbandes Saale-Unstrut sowie des Lebensmittel- und Veterinäramtes bewerten unter anderem die Atmosphäre in den Gaststuben, die Weinkarte, die Speisenempfehlungen und den Sachverstand des Servicepersonals.

Zur Einstimmung auf das größte Weinfest Mitteldeutschlands im September bietet sich die Große Saale-Unstrut Weinprobe jeweils im August an. In diesem Jahr rückten die Winzer elegante Silvaner und feinfruchtige Roséweine in den Fokus und stellen damit zwei ideale Partner bei sommerlichen Temperaturen vor. Insgesamt 19 Weinerzeuger von Saale und Unstrut zeigten sich dem Thema verpflichtet, Gebietsweinkönigin Kerstin Fliege konnte die überwiegend trockenen Weine im Hotel zum Edelacker in Freyburg gekonnt vorstellen.

Anlässlich des 350. Jubiläumsjahres der Silvanerrebe wird die nach Müller-Thurgau und Weißburgunder drittstärkste Kraft auf den Weinbergen an Saale und Unstrut geehrt. So kamen zehn Silvaner, darunter zwei Grüne Silvaner und zwei Blaue Silvaner, bei der Großen Saale-Unstrut Weinprobe auf den Tisch. Besondere Erwartungen weckte der 2007er Silvaner „Karsdorfer Höhe Gräte“ des Weinguts Lützkendorf (Bad Kösen), der vom VDP als Großes Gewächs prämiert wurde. Dem Trend zum leichten Sommerwein unterwarfen sich zudem zwölf Roséweine, darunter zwei Weißherbste und zwei weiß gekelterte Weine vom Blauen Zweigelt. Begleitet wurde die Große Saale-Unstrut Weinprobe von einem regionalen Käseangebot der Molkerei Bad Bibra, die Gouda, Edamer, Tilsiter und Grana zu den spritzigen Saale- Unstrut-Weinen reicht.