(Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW) Changins, 15.12.2009

Der Asiatische Marienkäfer hat den Jahrgang 2009 verschont

Eine Kontamination der gelesenen Trauben mit dem Asiatischen Marienkäfer kann den Geschmack des Weins negativ beeinflussen. Die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW hat daher diesen Herbst das Vorkommen des Marienkäfers in den Schweizer Rebbaugebieten untersucht. Vom Baselbiet bis ins Waadtland konnte kein einziges Insekt in den Trauben beobachtet werden.

Der Asiatische Marienkäfer Harmonia axyridis ist ein invasiver Organismus, der sich erst kürzlich schweizweit ausgebreitet hat. Unter gewissen Bedingungen kann das Insekt in den Weintrauben Ansammlungen bilden. Wenn nun marienkäferkontaminierte Trauben geerntet und gepresst werden, setzten die Tiere Alkylmethoxypyrazine frei, welche den Geschmack des Weines negativ beeinflussen können. Durch die ACW durchgeführte Kontaminationsversuche des Weinlesegutes 2007 zeigten, dass Dichten von einem einzigen Insekt pro Kilogramm Chasselas genügen, um die Feinheit und Fruchtigkeit des Weines stark zu vermindern. Daneben roch der Wein nach ranzigem Öl. Bei 5 Insekten pro Kilogramm ist die Qualität von Pinot Noir-Weinen stark reduziert. Besonders beeinträchtigt sind die Qualität der Tannine, die Feinheit, die Fruch-tigkeit, die Struktur und der Charakter des Weines. Diese beunruhigenden Ergebnisse haben ACW dazu veranlasst, kurz vor der Weinlese 2009 die Entwicklung des Insekts in den verschiedenen Rebbaugebieten zu verfolgen.

In der Schweiz wurden die ersten Exemplare des Asiatischen Marienkäfers 2004 in Basel gefunden. Seither hat sich das Insekt von Norden her das ganze Lande besiedelt und heute stellt diese Spezies unsere häufigste Marienkäferart dar. Bei der Auswahl der untersuchten Parzellen wurde daher der geschichtliche Verlauf der Ausbreitung berücksichtigt. Es wurden Kontrollen in den Rebbergen des Kanton Baselland (Arlesheim, Aesch, Pfeffingen), Bern (Tüscherz), Neuenburg (Le Landeron) und Waadt (Concise, Aubonne, Mont-sur-Rolle, Dully, Luins, Begnins, Vich, Coinsins, Givrins, Trélex) durchgeführt. Mehr als 5000 Weintrauben wurden untersucht, ohne auf ein einziges Tier zu stossen. Nichtsdestotrotz wurden in einer Lichtfalle in Changins, die in unmittelbarer Nähe der Rebberge der Waadtländer La Côte steht, 2009 deutlich mehr Tiere gefangen als im Vorjahr (Abb. 1). Eine vorzeitige Weinlese verbunden mit einem besonders guten Gesundheitszustand der Trauben hat sicherlich nicht dazu beigetragen, die Insekten vermehrt in die Regberge zu locken. Der Marienkäfer neigt dazu, sich nach der ersten Kälteperiode im Herbst in Schwärmen anzusammeln. Ein solches Ereignis wurde heuer aber nicht vor dem Ende der Weinlese beobachtet. Insektenansammlungen wurden erst durch den Mitte Oktober verzeichneten Temperaturabfall und den anschliessenden Temperaturanstieg ausgelöst. Ende Oktober versammelten sich die Käfer in grosser Anzahl an den Fassaden und Fenstern zahlreicher Gebäude, wo sie nach geeigneten Überwinterungsquartieren suchten. Sammeln sich diese Tiere danach in den Häusern an, so ist auf einen Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln wegen deren Umwelt- und Humantoxizität zu verzichten. Der Staubsauger bleibt die wirksamste Waffe. Um zu verhindern, dass die aufgesaugten Insekten wieder aus dem Gerät kriechen, sollte der Staubsaugersack vorsichtshalber für einige Stunden im Tiefkühlfach gelagert werden.

Obwohl der Asiatische Marienkäfer den Schweizer Weinjahrgang 2009 verschont hat, sollten die Winzer trotzdem wachsam bleiben. denn dieses Jahr wurden in Deutschland erstmals Ansammlungen auf Reben beobachtet. Die Tiere aggregierten auf aufgeplatzten und faulen Trauben. ACW wird ihre Überwachungskampagne fortführen, um für einen allfälligen Befall der Weinberge entsprechend reagieren zu können.