(Messe Stuttgart) Stuttgart, 15.07.2009

IVIF 2010: Innovationen für Weltmärkte

Stuttgarter Technologiemesse setzt auch in Zeiten der Wirtschaftskrise weiter konsequent auf Internationalisierung

Die INTERVITIS INTERFRUCTA bleibt konsequent auf Internationalisierungskurs und wird so vom 24. – 28. März erneut zum globalen Branchenforum. Wein- und Obsthandel sind schon längst ein Global Business. Fast 40 Prozent des derzeit auf unserem Globus erzeugen Weins – immerhin 91,3 Millionen Hektoliter – finden über Ländergrenzen hinweg ihre Abnehmer. Das sind mehr als doppelt so viel wie noch in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Zu den Spitzenreitern in Sachen Weinexport weltweit zählen zwar nach wie vor die klassischen europäischen Erzeugerländer Italien (18,8 Millionen Hektoliter), Spanien (15,3 Millionen) und Frankreich (15,2 Millionen). Die Konkurrenz aus der Neuen Welt ist den Marktführern aber schon dicht auf den Fersen: Argentinien, Australien, Chile, Neuseeland, Südafrika und die USA halten inzwischen zirka 28 Prozent am globalen Weinhandel.

„Der Weltweinmarkt wird aktuell noch immer von den großen europäischen Erzeugerländern dominiert“, analysiert Generalsekretär Dr. Rudolf Nickenig vom Deutschen Weinbauverband die Zahlenlage. „Die Neue Welt hat aber in der jüngeren Vergangenheit beträchtlich an Boden gewonnen.“ Während der letzten 20 Jahre konnte sie einen Zuwachs von 1.400 Prozent verbuchen. Daraus erklärt sich unter anderem auch die Tatsache, dass Weine aus Übersee zwar ‘nur’ rund ein Viertel der Welt-Weinproduktion repräsentieren, aber für zirka die Hälfte des weltweiten Wachstums im Weinhandel seit 1987 verantwortlich sind.

Auf Expansionskurs liegen weltweit derzeit auch bis dato eher unbekannte Erzeugerländer. „Wer weiß beispielsweise schon, dass China bereits heute über fast eine halbe Million Hektar Rebfläche verfügt“, rechnet Nickenig vor. „Knapp fünf Mal so viel wie Deutschland.“ Mit jährlichen Wachstumsraten von rund 20 Prozent macht auch das Weinentwicklungsland Indien von sich reden. Dass sich der Weinbau dort bald zu einem Zukunftsmarkt mausern könnte, beweist unter anderem die Tatsache, dass rund 60 Betriebe vor allem in der Gegend um Nashik im indischen Bundesstaat Maharashtra auf zirka 3.200 Hektar Reben kultivieren. Große Hersteller wie Grover Vineyards, Sula Vineyards und Chateau Indage sind mittlerweile auch außerhalb Indiens bekannt. Und fast monatlich gibt es Neugründungen. Ein treibender Faktor hinter dem steigenden Weinkonsum sind die wachsenden Einkommen einer größer werdenden, jungen Mittelschicht.

Für die Europäische Union (EU) als größtem Weinerzeuger der Welt (55 Prozent Marktanteil) ist ein florierender Export von essentieller Bedeutung. Bei der Weinausfuhr liegen laut DWV unter den Mitgliedern der 27er-Gemeinschaft Italien und Frankreich als führende Exportländer fast gleichauf. Spanien konnte in den letzten Jahren erheblich an Boden gut machen, Deutschland belegt hinter Portugal den fünften Platz. Die EU ist nicht nur führender Weinexporteur, sondern auch ein wichtiger Weinimporteur. Zu den weltweit bedeutendsten und volumenstarken Importländern zählten in den Jahren 2007 und 2008 Großbritannien, Deutschland – und auf Rang drei – die Niederlande.

Einen der aktuellen Trends auf dem EU-Weinmarkt skizziert DWV-Generalsekretär Nickenig so: „Die Hauptzielmärkte der europäischen Weinexporteure haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Gemessen an der Ausfuhrmenge konnte sich vor allem Russland innerhalb kürzester Zeit zum wichtigsten Markt entwickeln, dicht gefolgt von der USA auf Platz zwei.“ Auch in Sachen Weinproduktion ist Russland ein wichtiger Wachstumsfaktor, denn dort unternimmt man – wie auch fast überall in Mittel- und Südosteuropa – seit einigen Jahren große Anstrengungen, um die Qualität der Weine zu verbessern und die Anbauflächen zu vergrößern. Vor allem im Süden Russlands – in der Kuban-Region um Krasnodar sowie um Stavropol und Rostov am Don – stehen heute rund 70.000 Hektar Fläche unter Reben. Und die russische Regierung will diese Fläche in den kommenden fünf Jahren verdoppeln.

Für die deutschen Winzer sind angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise die Erwartungen vorsichtig optimistisch. Peter Winter, Präsident des Verbandes Deutscher Weinexporteure: „Während die übrige Exportwirtschaft 2008 bereits eine abgeschwächte Entwicklung hinnehmen musste, konnten wir als derzeit achtgrößter Weinerzeuger in der Welt den Ausfuhrwert deutscher Weine im gleichen Zeitraum nochmals um elf Prozent steigern.“

Die Entwicklung auf den Exportmärkten ist allerdings uneinheitlich. Konnte in den vergangenen Jahren vor allem der überaus erfolgreiche Export deutscher Qualitätsweine in die USA zu einem deutlichen Wachstum und größerer Wertschöpfung der Weißweinexporte beitragen, hat die Krise der amerikanischen Wirtschaft diese positive Entwicklung zwischenzeitlich abgebremst. Dennoch sind erste Anzeichen einer Erholung wieder erkennbar.“ Generell gab es in der Top-Ten-Liste der Zielmärkte für deutsche Weinexporteure in den letzten Jahren große Verschiebungen: Neben der positiven Tendenz in den USA haben vor allem Norwegen, Schweden, die Schweiz und Russland wesentlich an Bedeutung gewonnen. Deshalb sei es, so Winter, „wichtig, sich nicht nur mit den großen Märkten zu beschäftigen.“ Weitere Wachstumspotenziale für deutsche Winzer sieht der Export-Profi beispielsweise in Kanada und in Südamerika. Auch aus diesem Grund setzen die Messe Stuttgart und der DWV seit einigen Jahren konsequent auf einer Internationalisierung ihres Flaggschiffs INTERVITIS INTERFRUCTA (IVIF). „Wir beweisen damit globale Kompetenz und sind für unsere Aussteller als Marketingpartner auf allen Kontinenten präsent“, erläutert Messe-Geschäftsführer Ulrich Kromer das weltweite gemeinsame Engagement. „2004 haben wir im chilenischen Talca die INTERVITIS INTERFRUCTA Sudamérica aus der Taufe gehoben. Bereits seit 1995 sind wir Co-Veranstalter der Wine Farmers & Fruit Growers Exhibition in Kapstadt/Südafrika, die 2009 erstmals als INTERVITIS INTERFRUCTA Southern Africa an den Start geht.“ Präsenz zeigt die Messe Stuttgart auch im Zukunftsmarkt Indien: Am 4. und 5. November 2009 findet in Nashik zum zweiten Mal ein Fachkongress mit begleitender Ausstellung unter dem Markennamen INTERVITIS India statt. Weitere erfolgreiche IVIF-Satelliten haben Messe Stuttgart und DWV im russischen Krasnodar (INTERVITIS INTERFRUCTA Russia) und in Wien (INTERVITIS VIENNA) installiert.

Von diesem „Messe-Export“ profitiert auch die Mutterveranstaltung, die vom 24. bis 28. März 2010 erstmals auf dem neuen Messegelände beim Stuttgarter Flughafen stattfindet. Dort können sich Fachbesucher aus der ganzen Welt bei voraussichtlich rund 650 Ausstellern aus über 30 Ländern über die neuesten Maschinen, Geräte und Dienstleistungen für Winzer, Obstbauern, Brenner und Fruchtsafthersteller informieren. Das Ausstellungsprogramm teilt sich in vier Bereiche auf: Anbau- und Erntetechnologie für Trauben und Obst, Getränketechnologie für Wein, Fruchtsaft und Spirituosen, Abfüll- und´Verpackungstechnologie sowie Marketing und Organisation.

Einmalige Chancen zum intensiven Erfahrungsaustausch mit Fachleuten aus den wichtigsten Wein- und Obstbauländern der Welt bietet auch das hochkarätige IVIF-Rahmenprogramm, zu dem der DWV rund 1.500 Fachleute von allen Kontinenten erwartet. Vom 24. bis 27. März findet – unter Schirmherrschaft der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) – außerdem der 60. Deutsche Weinbaukongress statt. Sein Thema: „Qualität, Nachhaltigkeit, Markt: Impulsgeber für Innovationen.“

Auf dem vom DWV gemeinsam mit Partnerorganisationen aus der Wein-, Obst-, Fruchtsaft- und Spirituosenbranche veranstalteten Topevent halten renommierte Wissenschaftler und Experten aus der Wein und Obst verarbeitenden Industrie Referate zu den IVIF-Themenbereichen Anbau und Technologie, Verarbeitung und Prozesssteuerung, Verschluss- und Verpackungstechnologie sowie Marketing und Organisation. Alle Vorträge werden simultan auf Deutsch und Englisch übersetzt. Genauere Informationen über das Ausstellungs- und Kongressprogramm finden sich im Internet unter www.intervitis-interfructa.de.

Der IVIF 2010 unmittelbar voraus geht die Weinhandels-Fachmesse ProWein in Düsseldorf (21. – 23. März), mit der eine enge Kooperation besteht.