(Reh Kendermann GmbH Weinkellerei) Bingen, 06.10.2009

Wachstum im Inland – Geschäftsjahr 2008/2009

Die Weinkellerei Reh Kendermann in Bingen konnte im Geschäftsjahr 2008/2009 im Inland ihren Umsatz um 16 Prozent steigern. Aufgrund von Verlusten im Export (-9 Prozent) musste die Kellerei allerdings beim Gesamtumsatz einen Rückgang von 1,8 Prozent auf 82 Millionen Euro hinnehmen.

„Mit dem Geschäftsverlauf in Deutschland sind wir in Anbetracht der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zufrieden“, betont Alexander Rittlinger, Marketingleiter bei Reh Kendermann. „Unser Markengeschäft hat sich gut entwickelt. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Vor allem Kendermanns, die Marke für Qualitätsweine aus Deutschland, konnte mit einem Plus von knapp 14 Prozent ihren Absatz im abgeschlossenen Geschäftsjahr deutlich steigern. Die australische Marke Lindemans blieb nahezu stabil und bewegte sich damit gegen den Trend: „Australische Weine haben allgemein stark verloren“, berichtet Alexander Rittlinger, „umso erfreulicher ist es, dass sich Lindemans behaupten kann.“ Insgesamt sind die Marken Kendermanns, Lindemans, Val Duna und 3W um knapp 4 Prozent gewachsen. „Für uns heißt dies, dass die stärkere Profilierung der Marken von den Kunden angenommen und geschätzt wird“, so Alexander Rittlinger.

Insgesamt war der Weinkonsum in Deutschland nach Angaben des Marktforschungsinstituts IRI mit rund -1,5 Prozent leicht rückläufig (LEH inkl. ALDI). Deutscher Wein büßte knapp 0,3 Prozent ein, italienische Erzeugnisse mussten Absatzrückgänge in Höhe von 2,1 Prozent hinnehmen. Wein aus Frankreich hingegen – im vergangenen Jahr noch mit Verlusten – konnte 4,7 Prozent zulegen. Für Weine aus Ländern der Neuen Welt setzte sich der negative Trend aus dem Vorjahr fort: Sie mussten mehr als 9 Prozent abgeben. Die Ausnahme bildete hier Wein aus Südafrika mit einem Plus von über 36 Prozent.

Exportgeschäft von Krise gekennzeichnet

Während das Konsumklima in Deutschland weitgehend stabil blieb, reagierten die Verbraucher in fast allen anderen Teilen der Welt mit Kaufzurückhaltung, auch beim Wein. „Diese Entwicklung hat uns als Kellerei mit einem Exportanteil von 60 Prozent natürlich ganz besonders getroffen“, so Nikolaus Schritz, Geschäftsführer Reh Kendermann und verantwortlich für den Export. 8,4 Prozent Verlust musste das Unternehmen beim Auslandsabsatz hinnehmen.

Sehr stark unter Druck stand der Absatzmarkt England, der für die Kellerei besonders bedeutend ist. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts wurden 13 Prozent weniger Weine aus Deutschland auf die Insel exportiert. Der Umsatz sank um 16 Prozent. Dies hat im Besonderen die Generics betroffen. Im Fokus der Käufergunst standen dort Länder wie Australien, Südafrika, USA und Chile, die ihre Anteile weiter ausbauen konnten. „Der englische Markt ist stark preisgetrieben, vor allem durch Promotions wie „3-for-10“ (drei Flaschen für 10 Pfund), bei denen eher Marken aus Australien, Südafrika, Südamerika und Kalifornien im Vordergrund stehen“, erläutert Nikolaus Schritz. „Markenweine aus Deutschland waren davon jedoch weniger betroffen.“

Black Tower im englischen Markt konstant

„Black Tower hat sich im englischen Markt mit -1,55 Prozent knapp auf Vorjahresniveau behaupten können“, betont Nikolaus Schritz. „Neben dem Rivaner konnte Black Tower Rosé deutlich an Menge zulegen. Er gehört nun zu den wichtigsten Rosé-Weinen im englischen Markt.“ Weltweit musste Black Tower jedoch einen Absatzrückgang von 7 Prozent verzeichnen.

Black Tower zählt zu den erfolgreichsten Deutschweinen der Welt und ist nach wie vor die Nummer Eins in UK, Schweden, Finnland, Brasilien und Korea. Nicht ohne Grund: Allein in den letzten zwölf Monaten erhielt die beliebteste Sorte, der Rivaner, bei verschiedenen unabhängigen internationalen Wettbewerben Goldmedaillen und hochrangige Auszeichnungen.

Wettbewerbsnachteile durch Ertragsgrenzen befürchtet

Künftig sieht der Geschäftsführer das Exportgeschäft vor großen Herausforderungen: Er befürchtet Nachteile für deutschen Wein durch die im Sommer dieses Jahres erfolgten neuen Festlegungen der Hektarhöchstertragsmengen: „Wir müssen uns international gegenüber Ländern der Neuen Welt behaupten, die ihre Produktionsmenge nicht einschränken. Deutscher Wein muss, wie es auch in anderen Ländern der Fall ist, in verschiedenen Preisklassen vertreten sein.“

Zudem berge für jeden Winzer die Tatsache, dass er sein Kontingent nun in vier statt in bisher drei Klassen einklassifizieren muss, ein höheres Risiko: „Die Gefahr falsch zu entscheiden, ist größer geworden und kann die Betroffenen viel Geld kosten“, so Nikolaus Schritz. „Ziel muss es doch sein, dass jeder Winzer seine Produktion auch komplett verkaufen kann.“

USA und Schweden: Märkte mit Potenzial

In den USA hatte die Kellerei im letzten Jahr ihren Importeur durch eine eigene Gesellschaft abgelöst und bewegt sich nun intensiver am Markt als je zuvor. „Die USA und China werden die wichtigsten Entwicklungsmärkte werden“, betont Nikolaus Schritz. Besonders positiv verlief das Geschäft in Skandinavien: In Schweden und Dänemark wurden beispielsweise zweistellige Zuwachsraten erzielt. „Um für den Konsumenten noch attraktiver zu sein, überarbeiten wir die Marke Black Tower“, so Nikolaus Schritz. „Wir rechnen hierdurch mit starken Absatzimpulsen.“

Ausbau des Markengeschäfts

Für die Zukunft sieht Geschäftsführer Nikolaus Schritz das Unternehmen gut aufgestellt: „Wir wollen daran arbeiten, dass Reh Kendermann weiterhin zu den innovativsten und leistungsstärksten Kellereien in Deutschland gehört.“ Dazu zählt auch, Trends aufmerksam zu verfolgen und frühzeitig entsprechende Konzepte zu entwickeln. „Die Krise führt dazu, dass viele Verbraucher zu Weinen im Preiseinstiegssegment greifen“, erläutert Alexander Rittlinger. „Wir wollen ganzheitlich zum Wachstum beitragen und werden daher unter unseren Marken günstige Alternativen anbieten, ohne die jeweilige Markenstrategie aus dem Blick zu verlieren.“