(PAT Pfalz Aktiv Tours) Forst, 28.04.2010

Terroirwandertag K – Burgunder, Staufer und Klosterbrüder

Wer Lust hat, auf historischen Wegen durch die reizvolle Landschaft des Trifelsland um Gräfenhausen und Annweiler zu wandern, dem empfiehlt sich der Mönchsweg. Er führt von der Klosterkirche Eußerthal über Gräfenhausen und Annweiler bis hinauf zur Reichsburg Trifels, zu der die Mönche des Zisterzienserklosters Eußerthal bereits wenige Jahrzehnte nach dessen Gründung im Jahre 1148 beste Beziehung pflegten. Ab 1186 stellte der Stauferkaiser Friedrich I (Barbarossa) das Kloster unter den besonderen Schutz des Reiches. 1233 avancierten die Mönche des Kloster dann unter dem Stauferkaiser Friedrich II zu „Hütern der Reichskleinodien (Reichsschwert, Krone, Zepter, Reichskreuz und Reichsapfel)“. Ein Ehrenamt, das sie fast 2 Jahrhunderte innehatten und die ständige Präsenz der Mönche auf der Burg und damit eine Verbindung zwischen Eußerthal und Trifels erforderlich machte – der Ursprung des Mönchswegs.

Während die Klosterbrüder die rund 12 Kilometer lange Strecke schätzungsweise auf dem Rücken von Eseln zurücklegten, muss der heutige Wanderer die zahlreichen Steigungen auf Schusters Rappen bewältigen – und wird dafür mit einer schönen Naturkulisse und tollen Panoramaausblicken belohnt. Für Weinfreunde, die an ausgefallenen Weinlagen interessiert sind, empfiehlt sich besonders ein Besuch von Gräfenhausen, der kleinsten und westlichsten Weinbaugemeinde der Pfalz.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gräfenhausen schon 817. Bekannt wurde der Ort durch den Gräfenhausener Spätburgunder, der hier bereits seit mehr als 600 Jahren angebaut wird! Gut möglich, dass durstige Mönche bei ihren Wanderungen zum Trifels ganz nebenbei auf das besondere Mikroklima Gräfenhausens aufmerksam wurden, das sich hervorragend zum Weinbau eignete. Bereits im 12. Jahrhundert brachten französische Zisterziensermönche den Pinot Noir oder Clebroit (Klebrot), wie sie ihn nannten, in die Pfalz. Wenig später dürften dann auch die ersten Spätburgunderreben Ihren Weg ins Zisterzienser-Kloster Eußerthal gefunden haben. Seit 1335 bauten experimentierfreudigen Mönche des nahegelegenen Klosters nachweislich im Ort Wein an. Dass man davon auch den Rittersleuten der Staufischen Schutzmacht auf dem Trifels etliche Fässchen zukommen ließ, dürfte wohl anzunehmen sein.

Der Gräfenhauser Spätburgunder gehörte einst und bis in die jüngste Vergangenheit zu den teuersten Weinen der Pfalz. 1822 betrug der gewöhnliche Preis für ein Fuder Gräfenhausener Spätburgunder 300 Gulden und war somit doppelt so teuer wie ein durchschnittlicher Rotwein der Pfalz. Gegen 1900 wurde der „Gräfenhauser“ für zwei Goldmark je Liter als „Medizinwein“ in Apotheken angeboten. Noch 1929 führten ihn Überseedampfer der Hapag-Lloyd wie die “Europa” und „Bremen“ auf ihren Transatlantikfahrten nach Amerika als einzigen Rotwein neben einem Bad Dürkheimer Rotwein auf ihrer Weinkarte.

Diese Zeiten sind leider nur noch Weinbaugeschichte. Wurden 1928 noch 17 Hektar Rebfläche beackert, sind es heute gerade noch 6 Hektar, die von einigen unentwegten Winzern im Nebenerwerbsbetrieb bebaut werden. Sie produzieren darauf mit Liebe und Sorgfalt Rotweine, die sich sehen und die man sich wirklich schmecken lassen kann. Von den wenigen verbliebenen Wingerten des Ortes hat man einen wunderschönen Blick über das Trifelsland. Alleine diese Aussicht ist es schon wert diese abgelegenen Weinlagen zu besuchen. Auf jeden Fall ist die idyllisch gelegene Gemeinde immer noch ein Geheimtipp. Verwunschene Gassen mit Fachwerk- und Sandsteinhäusern verzaubern den Besucher. Wer einmal den Weg in das kleine Seitental gefunden hat, der kommt gerne wegen der romantischen Atmosphäre und wegen seiner Weine wieder.

Hoch über Annweiler, auf einem steilen Sandsteingrad, thront die salisch-staufische Reichsburg Trifels. Das Tagesziel unserer Terroirwanderung. Besonders die Regierungszeit des Stauferkaisers Friedrich II war geprägt von einem permanenten Kampf zwischen Imperium (Kaiser) und Sacerdotium (Papst). Das Felsennest in seiner uneinnehmbaren Lage auf einem strategisch günstig gelegenen Bergsporn schien den deutschen Kaisern trotz der unruhigen Zeiten so sicher, dass sie hier oben die Insignien ihrer Macht, die Reichskleinodien aufbewahren ließen. Im Turm der Burg befindet sich noch heute die Schatzkammer, in welcher die Mönche von Eußerthal die Reichskleinodien in sicherer Gewahrsam hielten.

Tagesprogramm: 09:00 Uhr: Begrüßung durch Ihren PAT-Wein- & Wanderführer am Bahnhof Annweiler. Anschließend Bustransfer zur Mitte des 12. Jahrhunderts von Zisterziensern errichteten Klosterkirche in Eußerthal. Die aus dem roten Pfälzer Sandstein errichtete Kirche steht beispielhaft für den klaren, strengen Baustil des Ordens und dessen Bevorzugung sehr abgeschiedener Gegenden. Kurze Besichtigung und Beginn unserer Terroirwanderung. Wandern Sie mit uns auf den Spuren der Geschichte und durch abseits gelegene und wenig bekannte Weinlagen und Terroirs der Südpfalz bei Gräfenhausen, mit Burgunderweinprobe und Winzervesper im Weingut Schneider, zur Reichsburg Trifels. Ende der Veranstaltung gegen 16:00 Uhr.

DEUTSCHLAND / Pfalz
Terroirwandertag K – Burgunder, Staufer und Klosterbrüder
Anforderungen: Terroirwanderung von ca. 4 Stunden mit einigen Steigungen auf Waldpfaden und Weinbergwegen. Etwas Kondition wird vorausgesetzt.
Leistungen: Burgunderweinprobe mit jeweils 5 Weinen und Winzervesper im Weingut Schneider, PAT-Wein- & Wanderführer. Nicht eingeschlossen: Eintrittsgebühren.
Teilnehmergebühr: 38,- EUR ab/bis Annweiler
Termine: 30.05. / 13.06. / 18.07. / 22.08. / 05.09. / 24.10.2010
Durchführender Veranstalter: PAT – Pfalz-Aktiv-Tours
Im Schnepfenflug 20, D-67147 FORST / Tel: (0049)-0632696757-63, FAX: (0049)-0632696757-66
E-Mail: kontakt@pfalz-aktiv-tours.de Internet www.pfalz-aktiv-tours.de