Weinanbau

Schmeckt Biowein besser?

Unterschiede zwischen Biowein und handelsüblichem Wein

Biolebensmittel boomen. Dieser „grüne“ Trend gilt auch für den Weinbau – inzwischen haben sich die Anbauflächen für Biowein in Deutschland verdoppelt. Etwa 7000 Hektar Rebstöcke werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet – dies entspricht etwa 7,5 % der gesamten Rebfläche Deutschlands. In anderen Weinländern, z. B. Italien, Frankreich und Spanien, sieht die Verteilung zwischen herkömmlicher Herstellung und ökologischer Herstellung ähnlich aus.

Ökologischer Weinbau: Was machen Bio-Winzer anders?

 Weinberge

Weinberge

Der Bio-Wein bzw. der ökologische Weinbau betrifft diverse Teilaspekte der Weinkultivierung. Ein Überblick über die wichtigsten Differenzen zwischen Bio-Weinbau und herkömmlichem Weinbau.

● Ausbalanciertes Ökosystem auf dem Weinberg

Ein wesentlicher Gedanke des ökologischen Weinbaus ist jener des „natürlichen Gleichgewichts“. Zwischen den Reben werden allerhand Pflanzenarten kultiviert, um dort Lebensraum für Nützlinge zu schaffen, z. B. diverse Kleesorten, Sonnenblumen oder luzerne Gräser. Dadurch kann der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln reduziert werden. Durch die Begrünung wird die Durchwurzelung gestärkt und so wird bestimmtes Problem-Unkraut beseitigt. Damit die Belastung der Umwelt gering bleibt, werden keine Mineraldünger und keine chemisch-synthetischen Substanzen eingesetzt. Als Dünger dienen Humus, Kompost und organische Nährstofflieferanten.

● Geschlossener Produktionskreislauf

In der ökologischen Landwirtschaft werden Hefe oder Traubenreste nicht einfach weggekippt, sie werden als organischer Dünger wieder auf den Feldern verwendet.

● Natürliche Schädlingsbekämpfung

Bei der Schädlingsbekämpfung gilt dasselbe wie beim Dünger: Gegen den echten und falschen Mehltau werden nur reines Kupfer und Schwefel eingesetzt – keine chemisch-synthetischen Substanzen. Außerdem nutzen Öko-Winzer für den Wein öfter Rebsorten, die widerstandsfähiger gegen Pilzerkrankungen sind, z. B. den Regent.

● Öko-Weinkeller
Kelter im Weinberg

Kelter im Weinberg

Auch nach der Lese wird der Bio-Wein etwas anders weiterverarbeitet als der herkömmliche Wein. Es sind nur sehr geringe Schwefelzusätze erlaubt, außerdem wird auf Sorbinsäure und Ascorbinsäure weitgehend verzichtet.

Bei der Herstellung von Bioweinen sind außerdem die Kurzzeithocherhitzung sowie die Heißabfüllung verboten. Dadurch, so Experten, bleiben mehr Mineralstoffe und Vitamine im Wein enthalten. Auch bei der Abfüllung gibt es einen Unterschied zwischen Bioweinen und herkömmlichen Weinen: Gechlorte Korken dürfen nicht verwendet werden, sie könnten Chlor an den Wein weitergeben.
Seit 2012 regelt eine EU-Verordnung den Kellerausbau der Bioweine. Neben der Absenkung des Schwefelgehalts gegenüber herkömmlichen Weinen verlangt die Verordnung auch, dass auf Gentechnik, z. B. die Hefe betreffend, verzichtet wird. Nur jene Weine, die diese festgeschriebenen Kriterien einhalten, dürfen als ökologischer Wein, als Öko-Wein oder als Bio-Wein bezeichnet werden.

Wie erkenne ich Bioweine?

Wie auch bei anderen Bio-Produkten existiert bezüglich der ökologischen Zertifizierungen noch eine bestimmte Unübersichtlichkeit. Oftmals sind Bioweine mit Etiketten bestückt, die Logos von Verbänden aufweisen, bei denen die einzelnen Weingüter ihre Produktion zertifizierten haben lassen.
Etwa 50 Prozent der Bioweinbauern sind inzwischen in großen Verbänden organisiert, wie z. B. dem Verband Ecovin, dem größten Zusammenschluss weltweit. Mehr Informationen zu Biowein aus Deutschland, von Weiß- über Rotwein bis hin zum Sekt, finden Interessierte unter www.weinaustrauben.de.
Im Weinbau können Sie sich auf folgende deutsche Zertifizierungen verlassen:
● Bioland
● Naturland
● Ecovin
● Demeter
● Biokreis

 

 

Auch innerhalb des ökologischen Weinbaus gibt es noch Abstufungen. Einige Winzer bauen ihre Reben „biologisch-dynamisch“ an und berücksichtigen z. B. auch die Kräfte der Planeten und Monde. Dabei werden die Erkenntnisse des bekannten Anthroposophen Rudolf Steiner genutzt.

Schmecken Bioweine besser?

Glas Rotwein und Trauben

Glas Rotwein und Trauben

Jein. Die Frage ist schwer zu beantworten. Ist Bio immer besser? Das kommt auf die Perspektive an und natürlich auf die Prioritäten, die der Kunde setzt. Der Geschmack von Bioweinen hängt – ebenso wie der von konventionell angebauten Weinen – von zahlreichen unterschiedlichen Faktoren ab, z. B. von Lage des Weinguts, der Rebsorte, den Bedingungen zum Zeitpunkt der Lese, den generellen klimatischen Bedingungen im Erntejahr, dem Geschick des Winzers etc.
Grundsätzlich sind Bioweine jedoch Weine, die ursprünglich erzeugt werden und bei deren Herstellung auf synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Selbst wenn Biowein nicht besser schmeckt, ist er wohl gesünder. Auch wenn es noch keine genauen wissenschaftlichen Untersuchungen gibt – für die Gesundheit ist der ursprüngliche Anbau, der Bio-Anbau, sicherlich zu empfehlen, z. B. deshalb, weil auf Kurzzeithocherhitzung, die viele Mineralstoffe zerstört, verzichtet wird. Außerdem wird auch auf Sorbin- und Ascorbinsäure verzichtet – beides kann Allergien auslösen.
Kleiner Tipp: Viele Winzer aus Argentinien und Chile kommen mit wenigen Pestiziden aus, weil Krankheiten eher selten sind. Der Rotwein aus Chile ist zwar nicht als Biowein zertifiziert – ist aber eigentlich (fast) bio.