drei liegende Weinflaschen

Wein richtig lagern: Wie guter Wein zum Spitzenwein wird

Wenn der alte Bordeaux aus dem Keller geholt und mit einem „Plopp“ geöffnet wird, ist ein besonderer Moment angebrochen, auf den der Weinbesitzer vermutlich schon lange gewartet hat. Umso schrecklicher ist es, wenn der erste Schluck die Erwartungen nicht erfüllt: Wurde der Wein falsch gelagert, kann er ins Säuerliche kippen. Damit das nicht passiert, müssen die wertvollen Flaschen nach allen Regeln der Kunst aufbewahrt werden. Ein Überblick über die richtige Lagerung – so dass der edle Tropfen noch lange hält.

Alles Auspacken – auch Originalkartons!

verschiedene Weine

verschiedene Weine

Weinexperten empfehlen, den Wein niemals über längere Zeit in Kartons zu lagern. Pappe, Klebstoff und Weichmacher würden früher oder später auf die wertvollen Weine übergehen und die Aromen zerstören. Auch Originalkisten sollten vorsichtig geöffnet werden, damit zwischen den Flaschen Luft zirkulieren kann. Ansonsten könnte der Wein den Holzgeschmack der Kiste annehmen.

Luftfeuchtigkeit & Temperatur: Wein liebt es kühl

● Optimale Temperatur: 15 – 16 Grad Celsius
● Optimale Luftfeuchtigkeit: 70 %

Der Wein sollte nach dem Auspacken dorthin gebracht werden, wo die optimale Temperatur herrscht. Ideal sind Temperaturen zwischen 15 und 16 Grad – sie herrschen oft im Keller. Temperaturschwankungen verträgt der Wein gar nicht, weil sich bei Wärme das Korkenvolumen erhöht und sich bei Kälte zusammenzieht. Passiert das über einen langen Zeitraum hinweg, kommt der Wein mit zu viel Sauerstoff in Kontakt und altert vorzeitig.
Wichtig ist auch das Zusammenspiel zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Letztere darf nicht zu hoch sein, da Naturkorken sonst zu schimmeln beginnen. Bei zu niederer Luftfeuchtigkeit trocknen sie aus.

Besonders wohl fühlt sich der Rotwein bei einer optimalen Luftfeuchtigkeit von 70 %, minimal sollten 50 % und maximal 75 % herrschen.
Der Keller ist auch deshalb der ideale Ort für die Weinlagerung, weil es dort dunkel ist: Licht kann sich negativ auf Weinfarbe und Geschmack auswirken, weil es durch das Glas der Flaschen dringt. Ideale Weinkeller sind ältere Weinkeller, die nicht isoliert sind und an Hängen liegen. Wer über keinen Keller verfügt, kann sich zur Not mit einem Klimaschrank behelfen.

Weinflaschen mit Naturkorken liegend lagern

Ob die Weinflaschen nun stehend oder liegend gelagert werden sollen, ist ein von Weinexperten gern diskutiertes Thema. Die gängige Meinung ist: Wein sollte liegend gelagert werden, da dadurch die Austrocknung des Korkens verhindert wird. Vor allem große Rotweine mit einer langen Ausbauzeit brauchen unbedingt die Horizontale. Diese Regel gilt allerdings nicht für Weine mit Kunststoffkorken: Diese können ruhig stehend aufbewahrt werden.

Versiegelung des Korkens

verschiedene Weinkorken

verschiedene Weinkorken

Muss ich tatsächlich den Korken versiegeln? Ja, bei Weinen, die nach Jahren noch schmecken sollen und die länger gelagert werden sollen, schon. Je weniger Sauerstoff an den Inhalt der Flasche gelangt, umso länger lässt er sich bestens lagern. Verwenden Sie allerdings kein Bienenwachs zum Versiegeln, das Naturprodukt zieht die Korkmotte an. Auch reines Siegelwachs ist nicht ideal zum Verschließen, da es spröde wird.

Eine tolle Siegelwachsmischung für Weine ist:

● 50 % reines Kerzenwachs, z. B. Paraffin oder Stearin
● 50 % reines Siegelwachs nehmen und vermischen
Mit der Paste den Korkspiegel vollständig verschließen.

Welcher Wein lässt sich wie lange lagern?

Auch diese Frage treibt viele Weinliebhaber um. Soll ich meinen köstlichen Bordeaux nach einigen Monaten trinken – oder doch noch länger warten? Wann ist der optimale Zeitpunkt der Reife gekommen? Leider gibt es hier keine pauschale Antwort: Das Lagerungspotential jedes einzelnen Weines hängt von der Sorte, dem Jahrgang, der Art der Verarbeitung, dem Ausbauverfahren und den Lagerungsbedingungen ab.
Folgend ein grobe Orientierung zur Lagerung unterschiedlicher Weine:
● Trockene Weißweine 2 – 5 Jahre
● Süße Weißweine 15 Jahre und mehr
● Rosé-Weine 4 Jahre und mehr
● Kräftige, dunkle Rotweine 5 Jahre und mehr

Einerseits sind Weine ohne Säure kaum lagerungsfähig, andererseits macht Süße bzw. Zucker Wein lange haltbar. Auch der Tanningehalt nimmt Einfluss auf die Lagerungsfähigkeit – ein hoher Tanningehalt ist ein Hinweis für längere Lagerungsfähigkeit. Die Weinlagerung ist also durchaus eine Wissenschaft für sich. Kleiner Tipp: Wenn Sie Ihren Rotwein im Fachhandel kaufen, fragen Sie beim Verkäufer genau nach, wie der Wein gelagert werden sollte und wann der beste Zeitpunkt ist, die Flasche zu öffnen.