offenen Flasche Wein

Wie lange ist offener Wein haltbar?

Wer immer nur ein Gläschen Wein zum Essen trinkt, kennt das Problem: Nach einer Woche steht noch die halbvolle Flasche im Kühlschrank. Kann der Wein jetzt noch getrunken werden? Kommt darauf an, sagen Weinexperten und Sommeliers – auf die eigenen Erwartungen an den Wein und auf den Wein selbst.

Von Wein zu Essig

Rotwein-Flasche und Bündel von roten Trauben auf Holztisch

Rotwein-Flasche und Bündel von roten Trauben auf Holztisch

Pinot Noir, vor allem Spätburgunder, verdirbt schon nach ein bis zwei Tagen; auch Zinfadel, Nebbiolo, Grenache und Sangiovese sind „Sensibelchen“, also Weine, die empfindlich auf den Kontakt mit Luft reagieren. Und auch Rotweine, die bereits acht oder zehn Jahre Lagerung im Keller auf dem Buckel haben, werden schnell ungenießbar. Schuld ist die Oxidation – in Verbindung mit dem Luftsauerstoff wandelt sich das im Wein enthaltene Ethanol zu Essigsäure. Spätestens nach vier bis fünf Tagen schmecken viele Rotweine säuerlich – dann ist die Haltbarkeit mit Sicherheit überschritten. Es gibt allerdings auch einige Weine, und vor allem Weißweine, die auch nach fünf bis sechs Tagen, die sie gut verschlossen im Kühlschrank verbracht haben, noch munden. Einige sehr gute Weißweine schmecken auch noch nach zehn Tagen oder länger, wenn Sie in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. Eine genaue Zeitspanne, die für alle Weine gültig ist, gibt es also nicht – Weintrinker sollten sich einfach auf die eigenen Geschmacksnerven verlassen und müssen selbst beurteilen, ob der Wein noch mundet.

Nach 24 Stunden haben sich die meisten Aromen verflüchtigt

Bei einfachen Weinen, so meinen Sommeliers, haben sich die Aromen nach spätesten 24 Stunden weitgehend verabschiedet. Der Wein ist zwar noch genießbar, aber nicht mehr so komplex und vollmundig. Neben den oben genannten sind es auch organische Weine und jene mit nur wenigen Sulfiten (Bioweine), die sehr empfindlich auf Luft reagieren. Auch Weine, die bereits seit Jahren im Keller gelagert werden, können schnell „umkippen“, wenn sie mit Luft in Kontakt kommen.

So bleibt der Wein lange köstlich – Tipps

Folgend einige Tipps, wie der Wein möglichst frisch und wohlschmeckend bleibt und man ihn so lang wie möglich trinken kann:

● Verschließen

Zu den wichtigsten Maßnahmen für die Haltbarmachung des Weines zählt das sorgfältige Verschließen. Nach dem Einschenken sollte die Flasche am besten gleich wieder mit dem Korken oder einem Schraubverschluss oder Glasstopfen versiegelt werden, so dass möglichst wenig Sauerstoff an den Wein kommt.

● Weine kühl lagern

Nicht nur der Weißwein, auch der Rotwein sollte nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahrt werden; die Kälte verzögert die Oxidation und verlängert so die Haltbarkeit.

● Aufrecht lagern

Bleibt der Wein aufrecht, wird die Fläche, an der Sauerstoff mit dem Wein reagiert, minimiert. Zwar sollten die Flaschen während der Lagerung im Keller aufrecht stehen – sobald die Weinflasche aber offen ist, sollte sie senkrecht aufgestellt und mit dem Korken oder einem anderen Verschluss gut verschlossen werden.

● Temperaturunterschiede meiden

Bewahren Sie den Wein entweder im Kühlschrank oder bei Zimmertemperatur auf – aber wechseln Sie nicht von der einen in die andere Temperaturzone. Das gilt übrigens auch für die Jahre davor, in denen ein guter Wein gelagert wird: Temperaturunterschiede bekommt edlen Tropfen gar nicht.

● Weine umfüllen
Flasche Wein im Kühlschrank

Flasche Wein im Kühlschrank

Diese Methode verlängert die Haltbarkeit, ist wirksam und preisgünstig: Füllen Sie die angebrochene Flasche in eine kleinere um, z. B. in eine gläserne Wasserflasche mit Drehverschluss. Ideal ist es, wenn das ganze Gefäß aufgefüllt wird, sodass keine Luft in der Flasche verbleibt. Dadurch kann der Wein auch nicht mit Sauerstoff reagieren.

● Vakuumpumpe

Manche Experten schwören auf die Vakuumpumpe, andere halten sie für teuren Humbug und sind der Meinung, dass der Unterdruck den Aromen schadet. Das Thema ist also äußerst umstritten. Wie meist liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Die Weinverschluss-Systeme funktionieren nach demselben Prinzip wie das Umfüllen in die kleinere Flasche: Mittels einer Pumpe wird die Luft aus der Flasche geholt und diese anschließend geschlossen. So kann der Wein nicht mehr mit Sauerstoff reagieren.

● Gasgemisch

Auch die Konservierung mithilfe eines „Wein-Konservierers“ zielt darauf ab, die Oxydation zu verhindern: Aus einer Art Handpumpe strömt Schutzgas in die Weinflasche. Weil das Gas schwerer ist als Luft, legt es sich über die Weinoberfläche und bildet eine „Mauer“ zwischen Luft und Wein.

● Einfrieren für Saucen

Zur Not kann übriggebliebener Wein, der sich anschickt, sich in den nächsten Stunden in Essig zu verwandeln, in Eiswürfelbehältern eingefroren werden; die gefrorenen Würfel anschließend in eine Tüte geben. Bei Bedarf einfach Würfel herausholen und damit Saucen verfeinern.